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| Die Solistin Elena Casoli erfüllte bei ,,Neue Musik in Delmenhorst" den Wunsch von Hans-Joachim Hespos und tauschte ihr Hauptinstrument Laute gegen eine E-Gitarre ein. FOTO: Christian Schnöink |
Ein Anreiz für neue Hörgewohnheiten
In der Reihe ,,Neue Musik in Delmenhorst" bot Hans-Joachim Hespos wie gewöhnlich Ungewohntes
Wie in jedem Jahr am 11. November gab es im Kleinen Haus viele Klang-eindrücke zu entdecken. Zentrale Instrumente waren diesmal E-Gitarre, Querflöte und Schlagzeug.
Von Stefan Lewerenz
Delmenhorst. Die heutige Zeit hat es mit sich gebracht, dass Hektik und Egoismus zur Normalität im Alltag geworden sind. Folglich kann es recht heilsam sein, beispielsweise die persönlichen Essgewohnheiten und Umgangsformen immer mal wieder auf den Prüfstand zu stellen. Eine in höherem Maße ausgeglichene Lebensart könnte möglicherweise auf diese Weise erreichbar sein. Die gemäß einer langjährigen Tradition stattfindende ,,Neue Musik in Delmenhorst" kann angesichts dieser Überlegungen einen Beitrag dazu leisten, die eigenen Hörgewohnheiten zu überprüfen und neu kennen zu lernen.
Initiator Hans-Joachim Hespos hatte es sich auch in der 37. Auflage zum Ziel gemacht, einen musikalischen Gegenpol zum Faschingstrubel zu bilden. Eingeladen zu dieser Mission waren an diesem Abend zum Teil internationale Künstler, die offen für musikalische Grenzgänge sind. Zu nennen sind hier das Studio für elektroakustische Musik der Akademie der Künste Berlin (Gerd Rische), sowie als Solisten Elena Casoli aus Mailand (E-Gitarre), Barbara Weber aus Bern (Flöte, Stimme) und die aus Berlin stammenden Michael Wertmüller (Schlagzeug) und Georg Morawietz (Klangregie).
Alte Meister sind in der Neuen Musik selten anzutreffen. Umso bemerkenswerter daher, dass es zu Beginn zwei Werke von John Dowland, einem Lautenisten aus dem 16. Jahrhundert, zu hören gab. Elena Casoli war als Interpretin von Hespos (,,Es gibt keine Schwierigkeiten, nur Möglichkeiten") gebeten worden, ihr eigentliches Haupt- instrument (Laute) gegen die E-Gitarre zu tauschen. Allerdings keineswegs verzerrt à la Jimi Hendrix, sondern sanft wabernd und entspannt durchzogen das Lachrimae Pavan und Fortune den Saal. Einzige Schreckmomente in diesem Teil bildeten für das Publikum die ersten ,,Jets" von Hespos. Diese zwölf elektronischen Hörereignisse komponiert auf 60 Minuten durchzogen das gesamte Konzert mit teils im Hintergrund brodelnden, teils verstörend aus den Lautsprechern krachenden Lauten. Seine weitere Komposition ,,CASOLEIA" war optisch etwas fassbarer. Sie wurde von Casoli dargeboten, begleitet von Tonbandzuspielungen.
Uraufführungen sind keine Seltenheit in den Konzerten der Neuen Musik und auch diesmal wurden zwei Werke zum ersten Mal einem breiten Publikum vorgeführt. ,,Die blaue Hand" von Gordon Kampe ließ Casoli scheinbar mit Willkür auf der E-Gitarre experimentieren, während ihr Klanggerät fest an einem kleinen Bäumchen vertäut war. In der zweiten Uraufführung ,,FÜSSLI-Musik" von Helmut Oehring ließ Barbara Weber auf der Bass-Querflöte gepaart mit einer Stimmenaufnahme viel Raum für freie Assoziationen während ihrer Darbietung.
Michael Wertmüller am Schlagzeug sorgte schließlich mit ,,Batterie" von Michael Beil für einen regelrechten Abschlusskracher. Ausgerüstet mit einem Doppelpedal für die Bassdrum trieb er sich selbst zu immer neuen perkussiven Hochgeschwindigkeiten. Gleichzeitig lief über ihm eine Videoprojektion, die zeitweise die Perspektive eines Schlagzeugsticks wiedergab. Für diese und die vielen anderen ungewöhnlichen Perspektiven und Höreindrücke gab es viel Beifall von Seiten des Publikums.



