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| Kämpfen dafür, dass die Einnahmen aus Milchprodukten da ankommen, wo sie hingehören - beim Bauern: Ernst Steenken, Herwig Nehls und Carsten Spradau (v.l.). FOTO: bettina dogs |
,,Es macht wieder Spaß, Milch zu produzieren"
Örtliche Viehhalter froh über Sieg bei Kampf um Milchpreis
Jetzt wird die zweite Runde eingeläutet. Die schwarz-rot-goldene, lebensgroße Plastikkuh ,,Faironika" soll in der Region als Symbol für einen fairen Milchpreis werben.
Von Bettina Dogs
rethorn. Sie hatten selbst nicht dran geglaubt: Als bundesweit im Sommer Milchbauern vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) 40 Cent für den Liter Milch forderten, waren sie nicht davon ausgegangen, diesen Preis tatsächlich zu bekommen. Mitgekämpft hatten auch Landwirte aus dem Oldenburger Raum - und wider Erwarten gewonnen. ,,Jetzt macht es wieder Spaß, Milch zu produzieren", sagt Landwirt Carsten Spradau aus Rethorn.
Jetzt ist die zweite Runde im Kampf um einen fairen Milchpreis eingeläutet worden, und der ,,Champion" ist eine lebensgroße Plastikkuh. ,,Mit ,,Faironika", einer schwarz-rot-goldenen Paarhuferin, haben die Bauern dem fairen Milchpreis ein Symbol gesetzt, das jetzt im Raum Oldenburg-Land vorgestellt wird. Unter anderem wollen sie sich so auch beim Verbraucher dafür bedanken, dass die geforderten 40 Cent tatsächlich Realität geworden sind. Voraussichtlich im Sommer 2008 will der BDM unter dem Motto ,,Die faire Milch" Produkte auf den Markt bringen, die sowohl beim Landwirt als auch beim Verbraucher für Gerechtigkeit beim Preis stehen.
,,Die Verbraucher sollen sehen, dass wir nicht unendlich verdienen", erklärt Ernst Steenken vom BDM-Team Oldenburger-Land. Denn: Die jüngste Preiserhöhung bei Joghurt, Käse und Milch sei unverhältnismäßig gewesen. ,,Die Butter hätte vielleicht fünf Cent teurer werden müssen", meint Milchexperte Spradau. ,,Insgesamt bräuchte der Verbraucher nur knappe drei Euro im Monat mehr für Milchprodukte zahlen." Den eigentlichen Profit heimse vor allem der Einzelhandel ein.
Damit die Ausgaben für Quark, Kefir und Co. da ankommen, wo ihr Ausgangsprodukt hergestellt wird, haben sich zwölf europäische Länder dem Konzept ,,Die faire Milch" angeschlossen. In den französischen Landesfarben wirbt dafür Kuh ,,Justine", in Deutschland ist es die schwarz-rot-goldene ,,Faironika". ,,Es ist erstaunlich, was sich für eine Eigendynamik entwickelt hat", freut sich Carsten Spradau. Kollege Herwig Nehls meint: ,,Das musste aber auch sein, sonst wären gerade in der Wesermarsch viele Milchbauern kaputt gegangen."
,,Die faire Milch" und ,,Faironika" stehen aber auch dafür, dass der klassische Bauernhof nicht von großen Mastbetrieben verdrängt wird - und nur so viel Milch gemolken wird wie gebraucht. Das heißt: Nicht die Quote regiert, sondern der Kosten-Nutzen-Faktor. Der neue Milchpreis ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. ,,Es ist ein spürbares Aufatmen durch die Vereinigung der Milchviehhalter gegangen", schildert Ernst Steenken. ,,Und man weiß jetzt wieder, wofür man arbeitet." Keine hämischen Blicke mehr von gutverdienenden Schweinebauern, ,,jetzt rentiert es sich wieder, Kühe zu halten." Hauptsache, die Kinder von morgen glauben nicht, dass alle Kühe schwarz-rot-gold sind.


