Delmenhorster Kreisblatt beta
2008-02-23 - Ganderkesee
Sie lösten die Kontroverse aus: Kastanien an der Harmenhauser Straße in Bookholzberg. FOTO: michael korn

Rat streitet über Schutz von Bäumen

Zwei Kastanien lösen Kontroverse aus

Wie streng soll die Gemeinde den Schutz einzelner Bäume auf Privatgrundstücken auslegen? An dieser Frage entbrannte am Donnerstag im Gemeinderat eine Grundsatzdebatte zwischen den Fraktionen.

Von Michael Korn
ganderkesee. Auslöser für die Diskussion war die Schutzsatzung für zwei große alte Kastanien auf dem Parkplatz des ,,Grüppenbührener Hofs" an der Harmenhauser Straße in Bookholzberg. Am Ende beschloss der Rat die strengen Auflagen zum Erhalt der beiden Baumriesen gegen die Stimmen von FDP und Unabhängigen (UWG). Die CDU-Ratsherren Carsten Jesußek und Günther Runge enthielten sich.
Bereits in der Bürgerfragestunde hatte sich der Vorsitzende des Orts- und Verkehrsvereins, Harm Ehlers, zu Wort gemeldet und im Auftrag der Grundstückseigentümer kritisiert, dass die Gemeinde nicht das Gespräch zu ihnen aufgenommen habe. Der Tagesordnungspunkt müsse daher abgesetzt werden. Dem widersprach Fachbereichschef Peter Meyer. Es habe sogar einen Ortstermin an den Kastanien mit Ratspolitikern gegeben. FDP-Fraktionschefin Marion Daniel sagte, es sei nicht einzusehen, warum an Straßen reihenweise Bäume und sogar Alleen gefällt werden dürfen, Einzelbäume auf Privatgrund aber nicht. Sie bescheinigte den betroffenen Bürgern einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur: ,,Niemand fällt leichtfertig Bäume in Ganderkesee!" Im Fall Harmenhauser Straße befinde sich ein Parkplatz unter den Kastanien, was eine Gefährdung für Nutzer darstellen könne. UWG-Ratsherr Peter Schierloh pflichtete Daniel bei.
SPD-Fraktionschef Hans Mestemacher entgegnete, dass die beiden Kastanien als wertvoll und ortsbildprägend eingestuft worden seien und deshalb erhalten werden müssten. Der Vergleich zu Fällungen an Straßen aus Sicherheitsgründen sei ,,schief". Es gebe zudem einen Kreistagsbeschluss, wonach beim Beseitigen von Straßenbäumen ökologische Belange berücksichtigt werden sollen. Die Einschaltung des Landkreises bei den jüngsten Aktionen müsse noch einmal geprüft werden. Der Vorsitzende des Fachausschusses, CDU-Ratsherr Dieter Osterloh, bekräftigte, die Gemeinde sei mit der Einzelfallprüfung beim Baumschutz auf einem ,,guten Mittelweg". Die Politik habe sich vernünftigerweise vor Jahren gegen eine generelle Baumschutzsatzung ausgesprochen. Michael Sorg von den Grünen appellierte, es lohne sich ,,um jeden Baum zu kämpfen". Wenn einer nicht mehr verkehrssicher sei, dann dürfe er umgesägt werden. Dann müsse aber auch aktiv nachgepflanzt werden, was nicht immer erkennbar sei. Es sollte überlegt werden, auch ortsbildprägende Alleen unter Schutz zu stellen.  Kommentar



Gemeinde fällt vier pappeln


Die umfangreichen Rodungsarbeiten an Straßen im Gemeindegebiet gehen weiter: Nachdem die Straßenmeisterei Delmenhorst in der vergangenen Woche mehrere Bäume gefällt hatte, setzt nun die Gemeinde die Säge an: Am kommenden Montag, 25. Februar, sollen an zwei Straßen Pappeln gefällt werden. An der Furthstraße in Habbrügge sind fünf Bäume von diesen Arbeiten betroffen. Zur Fällung einer Pappel, die im Einmündungsbereich der Straße steht, ist eine kurzfristige Sperrung der Kreisstraße 343 (Oldenburger Straße) erforderlich. Eine Umleitungsmöglichkeit ist in dieser Zeit nicht gegeben. Am selben Tag sollen vier weitere Bäume an der Harmenhauser Straße in Bookholzberg gefällt werden. Während der Arbeiten wird die Harmenhauser Straße ab dem Einmündungsbereich in den Lührkenweg gesperrt. Der Anliegerverkehr wird durch diese Sperrung jedoch nicht behindert, da ein Ausweichen über die Bundesstraße 212 möglich ist. Bei den betroffenen Bäumen handelt es sich um Pappeln, die aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht sowie auf Grund ihres Alters gefällt werden müssen. An der Furthstraße waren bereits in den vergangenen Jahren Fällungen erforderlich. Die Gemeindeverwaltung bitte um Verständnis für mögliche Beeinträchtigungen. mik

 
 
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