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2008-06-09 - Delmenhorst
Während Mutter Ofelia (Monika Roth) den Vorleser (Michael Langner) begrüßt, freuen sich die Töchter Conchita (Lea Borgaes) und Marela (Tania Buchberger) über die Ankunft des Neuen. FOTO: Christian Schnöink

Premiere vom Publikum mit Begeisterung gefeiert

Arbeit und Leben der Zigarrenmacher szenisch gewürdigt

Mit der Premiere von ,,Anna in den Tropen" macht die Theatergruppe ProSzenium Werbung in eigener Sache. Besucher des Stücks werden anspruchsvoll unterhalten.
Von Helmuth Riewe
Delmenhorst. Mit der Auswahl von Nilo Cruz' Zweiakter ,,Anna in den Tropen" hat das Ensemble der Delmenhorster Theatergruppe ProSzenium einen Glücksgriff getan. Einerseits ist das im Florida des Jahres 1929 angesiedelte Stück um den verzweifelten Kampf von Zigarrenmachern um die Zukunft ihres Berufs von hohem gesellschaftlichen Wert, zum anderen werden mit der Einbindung des literarischen Stoffs ,,Anna Karenina" Brücken hin zum Weltkultur-Kanon geschlagen. Vor allem aber kommen die Figuren des dramatischen Stücks den Schauspielerinnen und Schauspielern des Ensembles stark entgegen. Zwar werden sie teils bis an die Grenzen ihrer emotionalen und körperlichen Ausdruckskraft gefordert, zugleich können sie aber auch erfolgreich vorführen, welch erstaunliche schauspielerischen und sprachlichen Fähigkeiten in ihnen stecken.
Der Besitzer einer kleinen Zigarrenfabrik (Michael Weimann) überläßt die Führung des Betriebs weitgehend seiner Ehefrau (Monika Roth) und den Töchtern Conchita (Lea Borgaes) und Marela (Tania Buchberger). Vor allem die drei Frauen sind erpicht darauf, dass ihnen bei der eintönigen Arbeit des Zigarrenmachens ein professioneller Vorleser (Michael Langner) zur Seite steht. Als der sich dazu entschließt, den Tolstoi-Roman ,,Anna Karenina" vorzustellen, kommt es zu dramatischen Verwicklungen mit CheChe (Heinz-Günther Harms), einem Halbbruder des Fabrikbesitzers, und Palomo (Herbert Hahn), dem Ehemann Conchitas.
Während der zweistündigen dichten Inszenierung konnten die durchweg an ihrem oberen Leistungsniveau agierenden Akteure das Publikum im Saal des Jugendhauses ,,Villa" spannungs- und emotionsgeladen unterhalten. Mal in ruhiger Erzählung, dann wieder in vedichteter Dramatik steuerte die Geschichte auf ein zerstörerisches Ende zu, in dem nicht nur die Behauptung der Handarbeiter gegenüber maschinengedrehten Zigarren auf dem Spiel steht, sondern auch scheinbare soziale Sicherheiten und persönliche Bindungen in all ihrer Brüchigkeit offen gelegt werden.

 
 
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