|
|---|
| Hermann Hidalgo liebt Felle - und kann Pelze und Tierliebe gut miteinander verbinden. FOTO: bettina dogs |
Ein Pelz für alle Felle - in Harmonie mit der Natur
Als Kürschner hat Hermann Hidalgo gelernt mit Kritik umzugehen
Als Kürschner muss Hermann Hidalgo zwangsläufig auch immer mit der Kritik leben, kein Tierschützer zu sein. Ein Klischee, gegen das er sich wehrt: Im Pelzgewerbe werden vor allem Felle verarbeitet, die als Abfallprodukte anfallen. Von bettina dogs
ganderkesee. ,,Die Kampagne gegen Pelz läuft seitdem ich selbstständig bin." Im Fall von Hermann Hidalgo ist das lang. Seit über 30 Jahren muss sich der Kürschnermeister immer wieder für sein Handwerk rechtfertigen. ,,Dabei sind noch nicht mal ein Prozent der Tiere aus der Nutztierhaltung für die Pelzzucht bestimmt." Der Großteil der Felle, sagt Hidalgo, kommt aus der Schädlingsbekämpfung oder sind Abfallprodukte aus der menschlichen Nahrungskette.
Hermann Hidalgo hat Verständnis für Pelzgegner. ,,Als sie in den 70er, 80er Jahren laut wurden, habe ich meinen Beruf selbst hinterfragt", meint der 71-Jährige. Mit dem Ergebnis: Pelze können tatsächlich im Einklang mit der Umwelt und der Natur entstehen. So hängen an seinen Kleiderstangen keine Robbenjacken und Leopardenmäntel, sondern in erster Linie Lammfelljäckchen und Kaninchehaar-Roben. ,,Die meisten Felle", sagt Kürschnermeister Hidalgo, ,,sind Felle von der grünen Wiese." Und somit nichts weiter als Abfallprodukte aus der Fleischherstellung. Unter die Hidalgosche Nadel kommen neben Lamm und Kaninchen vor allem auch Kalb und Schaf. Und manchmal auch Deutscher Rotfuchs. ,,Rund 600.0000 Rotfüchse werden in Deutschland jährlich aus Gründen den Schädlingsbekämpfung abgeschossen", erklärt Hermann Hidalgo. Aber nicht alle Felle werden weiterverarbeitet. Die meisten werden mit dem Tier entsorgt. Als Schädlinge gelten auch Bisamratten, Opossums und Wiesel, in einigen Ländern auch Eichhörnchen. ,,Wir verarbeiten in erster Linie Felle, die bei uns vorkommen", sagt Kürschermeister Hidalgo.
Schöne Felle und artgerechte Haltung sind für den gebürtigen Leipziger untrennbar miteinander verbunden. ,,Ein Pelztier muss am Ende seiner Laufbahn schön sein, und das verlangt eine gute Ernährung und eine gute Haltung." Züchter, die sich daran nicht hielten, arbeiteten umsonst. Schwarze Schafe, ja, die habe es zu Zeiten des Pelzbooms gegeben. ,,Aber wir Kürschner sind uns sehr wohl unserer Verantwortung dem Material gegenüber bewusst." Zudem sei Pelz heute keine Statussymbol mehr. Und in Zeiten, in denen es schwierig war Pelz zu verkaufen, hatten schlecht gezüchtete Felle erst gar keine Chance.
Hermann Hidalgo liebt Pelze - und er hasst Verschwendung. ,,Es gibt so viele schöne Kaninchenfelle, die ungenutzt im Abfall landen, weil kaum eine Privatperson sie heute noch verarbeiten kann oder will", sagt er bedauernd. Dabei seien Pelze mittlerweile zeitlos schick und alltagstauglich. ,,Wenn jemand aus Tierschutzgründen keinen Pelz tragen will, dann respektiere ich das." Aber dann solle er auch über die Lederausstattung in seinem Auto nachdenken. Denn Pelz ist nicht gleich Pelz - darauf legt Hermann Hidalgo großen Wert. Und ein Kürschner nicht gleich jemand, der den Tierschutz ignoriert.



