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2008-08-21 - Delmenhorst
Jürgen Thölke gilt trotz scharfer Analyse und strategischer Fähigkeiten als ausgleichend. FOTO: Archiv (2 Bilder)

Ehrenbürger der Stadt ,,entsetzt" über Vorgänge in SPD

Ex-Oberbürgermeister Jürgen Thölke hofft auf Lösung im Fall Hartmann

VON Ulrich Arlt
Das Wort eines Jürgen Thölke gilt und galt viel im SPD-Unterbezirk Delmenhorst und in Hannover. In Reihen älterer Sozialdemokraten ist Thölke in den vergangenen Tagen häufig als möglicher Vermittler im Fall Hartmann genannt worden. Das dk sprach mit dem ehemaligen Oberbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt. dk: Die Öffentlichkeit ist fassungslos über die Vorgänge in der SPD auf Bezirks- und Unterbezirksebene. Sind Sie es auch?
Thölke: Fassungslos werde ich so schnell nicht, aber ich bin schon ziemlich entsetzt über das, was da abläuft.
dk: Gibt es aus Ihrer Sicht Gründe und Schuldige für die Eskalation?
Man hat auf Grund von Behauptungen den Rücktritt von Swantje Hartmann von ihren Ämtern gefordert. Aber gerade in der SPD-Landtagsfraktion hätte sie gegenüber diesen Vorwürfen mehr Solidarität verdient. Auch war es falsch, dass sich Gremien der Partei als Richter aufgeführt haben, obwohl die SPD ein ordentliches Schiedsgericht hat, das über solche Vorwürfe zu entscheiden hat.
dk: Wie gravierend sind für Sie die Vorwürfe gegenüber Swantje Hartmann?
Ich kenne nur die Vorwürfe aus der Presse über Handy-Rechnungen und 1. Klasse-Fahrten. Dies hätte intern durch die Revision geklärt werden können und müssen.
dk: Rechtfertigen diese die Demontage der Abgeordneten, stellvertretenden Unterbezirksvorsitzenden und Bürgermeisterin?
Nein. Als Abgeordnete und als Bürgermeisterin hat sie Ämter inne, über deren Absetzung es rechtsstaatliche Verfahren gibt. Behauptungen reichen da nicht aus.
dk: Die SPD hat den Oberbürgermeistersessel zurückerobert, Hartmann hat das Direktmandat bei der Landtagswahl gewonnen und Holger Ortel galt als ,,Bank" für die Bundestagswahl. Sind Amt und Mandate in Gefahr?
In Gefahr auf jeden Fall, aber niemand kann die Zukunft sicher voraussagen.
dk: Als ehemaligem Oberbürgermeister der Stadt, kann Ihnen das Bild, das Delmenhorst in dieser Affäre nach außen zeigt, nicht egal sein. Wie hoch schätzen Sie den Schaden ein?
Der Schaden ist beträchtlich. Das gilt insbesondere für die Kontakte der Stadt nach Hannover.
dk: Die Bezirks-SPD hat offenbar die Gegenwehr von Hartmann unterschätzt, die jetzt Gerichte bemühen will. Das Band zwischen Hartmann und der Partei scheint für immer zerschnitten. Sehen Sie eine Chance der Aussöhnung?
Ich hatte mir mehr vom Gespräch Duin und Hartmann erhofft. Die Einberufung einer Untersuchungskommission könnte ein Weg zur Lösung sein, die Mitglieder der Untersuchungskommission müssten aber sowohl von Duin als auch von Hartmann akzeptiert werden.

Jürgen Thölke
Der 74-jährige Jürgen Thölke war von 1974 bis 1986 Abgeordneter der SPD im Niedersächsischen Landtag. Thölke führte als letzter ehrenamtlicher Oberbürgermeister von November 1986 bis November 2001 die Geschicke der Stadt - viele Jahre zusammen mit Oberstadtdirektor Dr. Norbert Boe- se, der ebenfalls der SPD angehört. Jürgen Thölke wurde am 12. Februar 2002 zum Ehrenbürger ernannt. Sein soziales Engagement gilt heute noch der Arbeit an der Spitze der Freien Wohlfahrtsverbände. ua

 
 
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