Delmenhorster Kreisblatt beta
2008-12-15 - Delmenhorst

Verehrung Marias bei Muslimen und Christen

Jungfrauengeburt bestimmt den Glauben beider Religionen

Das Bild der Jesus-Mutter Maria im Koran zeichnete Dr. Yavuz Özoguz vor gut 20 Zuhörern nach. Danach gilt Maria auch im Islam als heilige Frau, die direkt in den Himmel aufgefahren ist.
Von Helmuth Riewe
Delmenhorst. Auf Einladung des Vereins ,,Islamischer Weg" versammelten sich am gestrigen Nachmittag im Saal der Gaststätte ,,Ali Baba" zahlreiche islamische und christliche Interessenten, um sich mit der ,,Weihnachtsgeschichte der Muslime" bekannt zu machen. Als Referent trat Dr. Yavuz Özoguz auf, der als Betreiber der Internet-Plattform ,,Muslim-Markt" bekannt ist und als Vertreter eines fundamentalistischen Islam gilt.
Gestern ging es dem Referenten allerdings vor allem um Information und um die Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten zwischen Muslimen und Christen. Speziell mit den Katholiken gebe es beim Marienverständnis viele Gemeinsamkeiten, so Yavuz Özoguz. Selbst beim Blick auf Jesus mochte er nur Differenzen im Detail ausmachen. Als eine Christin in der Diskussion darauf verwies, das es ein wesentlicher Unterschied sei, ob man Jesus als Propheten ansehe oder unmittelbar als Gott, mochte der Referent dem zwar nicht widersprechen. Doch zugleich beschwor Yavuz Özoguz als wichtiges Anliegen: ,,In einer Welt, in der der Glaube an Gott schwindet, sollten wir die Gemeinsamkeiten hervorheben."
Anhand der Suren 3 und 19 hatte der Referent zuvor dargelegt, dass im Koran ein deutlich ausführlicheres Marienbild als in der Bibel gezeichnet wird. Bereits als Kind sei sie im Tempel ausgebildet und geschult worden, bevor sie als Wunderheilerin auffiel und als junge Frau schließlich die Offenbarung einer Jungfrauengeburt erhielt. ,,Im Islam geht man von einer Schwangerschaft zwischen drei und sechs Monaten aus", erläuterte Yavuz Özoguz. Für die Geburt habe sich Maria allein in die Wüste zurückgezogen. Durch ihre Berührung kehrte in eine dort verdorrt stehende Palme wieder Leben ein, von deren Datteln sich Mutter und Kind ernähren konnten. Anschließend, so der Koran, sei Maria, ausgestattet mit einem Schweigegelübde, wieder in den Tempel zurückgekehrt. Das Baby in ihrem Arm habe dort selbst das Wort ergriffen und sich als Prophet zu erkennen gegeben.

 
 
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