|
|---|
,,Trend: Mädchen schlagen selber zu"
Helga Stilke (Polizei) über Gewalttaten von Mädchen
Von Katja Butschbach
Zwei Mädchen haben am Mittwochabend eine 82-jährige Passantin auf der Deichhorster Straße überfallen und ihre Handtasche geraubt (dk berichtete). Das dk hat mit Helga Stilke, Jugendbeauftragte der Polizei, über Mädchengewalt gesprochen.
dk: Nimmt in Delmenhorst die Mädchengewalt zu?
Helga Stilke: Wir gehen davon aus, dass 2008 der Anteil von Mädchen als Tatverdächtige bei Körperverletzungen gestiegen ist: Mädchengewalt ist für uns Thema. Allgemein ist es so, dass Mädchen weniger Straftaten begehen als Jungen. Mädchen neigen dazu, Gewalt verbal auszuüben.
Wie sehen die Statistiken aus?
2007 waren unter den 150 minderjährigen Tatverdächtigen im Bereich Körperverletzung 27 Mädchen. 2005 waren unter den 142 Tatverdächtigen 42 Mädchen. Das war ein deutlicher Rückgang. Das Kinder- und Jugendkommissariat geht aber davon aus, dass 2008 der Anteil der tatverdächtigen Mädchen im Bereich Körperverletzung wieder zugenommen hat. Die Statistiken dazu liegen noch nicht vor.
Das sind die angezeigten Taten. Wie hoch ist die Dunkelziffer?
Gerade im Bereich Körperverletzung ist es denkbar, dass die Dunkelziffer bei Mädchen höher ist als die von Jungen. Jungen trauen sich oft nicht zuzugeben, dass sie von einem Mädchen verprügelt worden sind. Da spielt dann das Schamgefühl eine Rolle.
Sind Mädchen weniger brutal als Jungen?
Nein. Sie stehen den Jungen in nichts nach.
Was sind die Ursachen der Mädchengewalt?
Das ist ein vielfältiges Bündel familiärer und gesellschaftlicher Faktoren.
In welchem konkreten Kontext verüben die Mädchen Gewalttaten?
Es kann gekränkte Eitelkeit sein, Zickereien, dass man einander nichts gönnt. Es geht auch um Jungen: wenn zum Beispiel ein Mädchen ein anderes vor einem Jungen schlechtgemacht hat. In anderen Fällen ist es so, dass Mädchen die Initialzündung für die Tat geben, dass die Jungen das für die Mädchen tun. Der Trend ist aber, dass die Mädchen selber zuschlagen.
Wie lassen sich solche Taten verhindern?
Wir haben hier gute Möglichkeiten durch die Zusammenarbeit von Polizei, Schulen, Kriminalpräventivem Rat und Jugendamt. In Schulen klären wir darüber auf, dass auch Beleidigungen eine Straftat sind. Es fängt im Kleinen an. Es wird nicht gleich das Messer gezogen: Eine ältere Frau anzugreifen, war sicher keine Ersttat. Wir betreiben Prävention durch Repression: Wir laden die Jugendlichen vor, machen ihnen ihr Fehlverhalten deutlich, erklären ihnen, was passiert, wenn sie wieder straffällig werden. Die meisten Jugendlichen können wir wieder auf den richtigen Weg bringen.


