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| Schön warm: Hermann Hidalgo zeigt seiner Tochter Regina einen mit Pelz besetzten Mantel. Näherin Margareta Backhaus (rechts) ist beschäftigt. FOTO: rolf tobis |
Der Kürschner mit filmreifem Namen denkt nicht ans Aufhören
Wurzeln des Ganderkeseer Pelzgeschäft-Betreibers liegen in Chile und Leipzig
Schon seit 1977 ist Hermann Hidalgo mit seinem Pelzgeschäft in Ganderkesee ansässig. Und ein Ende ist nicht in Sicht, verspricht der Kürschnermeister seiner Kundschaft.
ganderkesee (jts). ,,Hidalgo" - bei diesem Namen denkt der Cineast an den gleichnamigen Abenteuerfilm von 2003. ,,Ich habe von dem Film gehört, aber ihn nicht gesehen. Der soll nicht so toll sein", meint Hermann Hidalgo augenzwinkernd.
Der ungewöhnliche Name wirft Fragen auf, die Hermann Hidalgo gerne und ausführlich beantwortet. ,,Mein Vater ist in Chile geboren. Dort ist der Name Hidalgo sehr gebräuchlich", erzählt der 69-Jährige. Der Weg des Vaters aus Lateinamerika führte als Pflegekind zu einer Kürschnerfamilie nach Leipzig. Die Sachsenmetropole galt vor dem Zweiten Weltkrieg als Pelz-Zentrum. Dort liegen nicht nur die familiären, sondern auch die beruflichen Wurzeln von Hermann Hidalgo. Er führt die Tradition seit 55 Jahren weiter.
Pelze waren und sind immer wieder ein Streitthema. So manches Supermodel unterstützt Antipelz-Kampagnen, andere werben dafür. Manche schwenken auch immer wieder um. ,,Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Da geht es wohl darum, in die Schlagzeilen zu kommen", kritisiert Hidalgo. Menschen, die sich aus ethischen Gründen gegen Pelze aussprechen, akzeptiere er, ,,aber sie sollen uns bitte nicht terrorisieren."
Auch er habe sich im Zuge von Tierschutz-Diskussionen hinterfragt. ,,Gefleckte Pelze wie Ozelot und Leopard sind für mich tabu", betont der Kürschner. In der Verwertung von natürlichen Ressourcen könne er aber nichts Schlechtes sehen. ,,Zum Beispiel Kaninchen: Ein Großteil kommt aus Australien, wo diese Tiere als Schädlinge ohne natürliche Feinde alles kahl fressen", erläutert Hidalgo. Und auch in Deutschland müssten jedes Jahr 600000 Rotfüchse geschossen werden, um das natürliche Gleichgewicht zu halten, sagt Hidalgo.
Die Tierschutzbewegungen hätten praktische Folgen auf die Pelzmode gehabt. Mittlerweile gehe der Trend weg vom reinen Pelz als Statussymbol. Heute werde Pelz mit anderen Materialien wie Leder oder Loden kombiniert. Heraus komme alltagstaugliche Mode. ,,Auf viele dieser Ideen wären wir vor 25 Jahren nie gekommen", meint der Kürschnermeister.
An ein Ende seiner Tätigkeit denkt der 69-Jährige noch nicht. ,,Ich weiß zwar, dass man die Weichen für eine Nachfolge stellen muss, aber ich habe noch Pläne", versichert Hidalgo, dass er mit seiner Werkstatt und seinem Geschäft seiner Kundschaft noch einige Zeit erhalten bleiben will.
hausmodenschau
Hermann Hidalgo lädt für heute um 14.30 und 16.30 Uhr zu einer Hausmodenschau in sein Geschäft (Im Knick 9) ein.



