Delmenhorster Kreisblatt beta
2005-11-12 - Dies & Das

Ein ,,Delmetaler" für zehn Minuten Zeit

Der Delmetauschring bietet Nachbarschaftshilfe in größerem Rahmen. Auch beim nächsten Markttag am 7. Dezember.
von sonia eßmann
Delmenhorst. Jede helfende Hand ist bei einem Umzug gefragt und das wird teuer, wenn Freundeskreis und Familie mal nicht einspringen können. Es geht aber auch anders, wie der Delmetauschring zeigt: da kann zum Beispiel ein großes türkisches Essen für alle die Umzugshilfe aufwiegen.
,,Kenntnisse, Tätigkeiten und Gegenstände untereinander austauschen, ohne einen Cent zu bezahlen", das ist die Idee des Tauschringes. Der ehemalige Deichhorster Diakon Klaus Pohl hat dieses Konzept 1995 aus Göttingen mit an die Delme gebracht.
Seit 1998 gibt es den Delmetauschring in seiner jetzigen Form, als selbständige Gruppe unter dem Dach der Evangelischen Familienbildungsstätte. Die an jedem ersten Mittwoch im Monat stattfindenden ,,Markttage" haben regelmäßig 20 und mehr Besucher.
Gezahlt wird in ,,Delmetalern", wobei ein Delmetaler zehn Minuten Zeitaufwand entspricht. Für welche Tätigkeit die Zeit gebraucht wird, ist egal, ,,wir sehen jede Arbeit als gleichwertig an", erklärt Margarete Pohl, die wie ihr Mann zum Koordinationsteam gehört. Allerdings würden manche Kenntnisse stärker nachgefragt als andere.
So sorgt der Frauenüberschuss unter den Tauschenden für einen Engpass beim Angebot handwerklicher Hilfen. ,,Die wenigen Männer, die das anbieten, haben schön zu tun", berichtet die Mitorganisatorin, die selbst Hilfe beim Tapezieren offeriert.
Insgesamt stößt man beim Durchblättern der vierteljährlich erscheinenden ,,Marktzeitung", in der alle Mitglieder ihre Gesuche und Angebote veröffentlichen, auf eine Vielfalt an Tätigkeiten. Jemanden, der im Garten hilft, das Fahrrad repariert oder einen Brief übersetzt, findet man dort genauso wie Tortenbäcker, Babysitter und Ferienwohnungen. Auch Pflanzen, Shiatsu-Massage und psychologische Lebensberatung können mit der Delmenhorster Spezialwährung gekauft werden. Bei der Entdeckung eigener Talente, die man anbieten kann, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
Eine direkte Gegenleistung wird nicht verlangt, stattdessen werden auf einem Konto verdiente mit ausgegebenen Talern verrechnet. Hauptschwierigkeit dabei ist, laut Klaus Pohl, ,,die Geldidee im Kopf zu überwinden". ,,Keiner will Miese machen", hat auch seine Frau Margarete festgestellt, die die Konten führt. Bei einer Tauschbörse sei es jedoch ganz normal, dass eine Seite vorübergehend ins Minus gerät, nur die Obergrenze von 120 Delmetalern dürfe nicht überschritten werden.
Der Tauschring und seine Markttage sind aber mehr als ein Handelsforum. Sie funktionieren als Begegnungsstätte und ,,soziale Gemeinschaft". ,,Gemeinsame Theaterbesuche und Radtouren haben wir auch schon auf die Beine gestellt", sagt Margarete Pohl.
,,Damit Neue in diese Gemeinschaft leichter reinkommen", stellen die Organisatoren ihnen Paten an die Seite. Willkommen sind gerade auch junge Familien und Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund, da die Gruppe bisher eine Altersstruktur ,,von 40 Jahren bis ins hohe Alter" und nur ein türkisches Mitglied aufweist.
Der nächste Markttag steigt am Mittwoch, 7. Dezember, im Gemeindehaus an der Lutherstraße 4.

 
 
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