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| Will mit einem kostenlosen Dachcheck erste Kunden gewinnen: Jörg Sanner. Der Hochbautechniker und Dachdecker hatte sich im August nach etlichen Bewerbungen selbstständig gemacht. FOTO: rolf tobis |
In schwierigen Zeiten anderen aufs Dach steigen
Nach 150 Bewerbungen selbstständig
Der Hochbautechniker und Dachdecker Jörg Sanner (28) hatte auf dem Arbeitsmarkt keine Chance. Jetzt versucht er sein Glück in der Selbstständigkeit - aller Anfang ist schwer.
Von Lars Laue
rethorn. Ein Aussteiger sucht wieder den beruflichen Einstieg. So ähnlich könnte eine Stellenanzeige von Jörg Sanner lauten. Der 28-jährige Dachdecker hat nach eigenen Worten 150 Bewerbungen geschrieben und 150 Absagen erhalten. ,,Es ist eben schwierig momentan", sagt der junge Mann, der gebürtig aus Höxter stammt und vor gut zwei Jahren in die Region kam, um sich am Berufsförderungswerk in Bookholzberg zum staatlich geprüften Hochbautechniker fortbilden zu lassen. ,,Als Dachdecker-Geselle mit abgeschlossener Techniker-Ausbildung bin ich jetzt dem Meister gleichgestellt", betont Sanner, der in Unna aus seinem festen Job als Dachdecker ausgestiegen ist, um genannte Fortbildung in Bookholzberg absolvieren zu können.
Seine neue Heimat hat Sanner mittlerweile in Rethorn gefunden. ,,Hier möchte ich bleiben", sagt der Handwerker, der im August dieses Jahres ,,aus der Not heraus", wie er sagt, den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat. ,,Nach den ganzen Absagen blieb mir ja nichts anderes übrig", schildert Sanner seine Situation. Und um erste Kunden zu gewinnen, wirbt er mit einem ,,kostenlosen Dachcheck" für seine Dienstleistungen, die von der Altbausanierung über alles, was mit Dächern zu tun hat, bis hin zum Innenausbau und dem Aufstellen von Carports reichen. ,,Als Dachdecker und Hochbautechniker kann ich ein breiteres Spektrum abdecken als ein Dachdecker-Meister", bekräftigt Sanner. Doch das macht die Sache für den ,,Dach-Checker" nicht leichter. ,,Wir haben hier zwar keinen Hurrikane, aber die Stürme werden auch hier immer unberechenbarer", steht auf seinem ,,Gutschein" über die Begehung des Daches, die Feststellung der vorhandenen Materialien und die Ermittlung eventueller Schäden sowie die Ausarbeitung einer schriftlichen Dach-Analyse. ,,Die Resonanz ist nicht groß", gibt Sanner zu, ,,dabei ist das Ganze völlig unverbindlich", fügt er hinzu. Der Rethorner weiß, dass momentan wegen des Wetters keine gute Zeit für Dachdecker ist. ,,In diesem Job muss man eigentlich im Sommer das Geld verdienen, das man im Winter nicht verdient", sagt Sanner. ,,Dennoch werde ich weiter mein Glück versuchen", bekräftigt er, und fügt leise das Wörtchen ,,müssen" an seinen Satz an. Auf seine zahlreichen Bewerbungen weitere folgen zu lassen, ist aus seiner Sicht wenig Erfolg versprechend. ,,Es gibt zu viele Ingenieure, die für einen Techniker-Lohn arbeiten", schildert Sanner seine Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt. ,,Und wenn ich mich ganz normal als Dachdecker bewerbe, heißt es, dass ich durch meine Techniker-Ausbildung überqualifiziert für den Dachdecker-Beruf bin."
@ Mehr Infos unter www.dachdecker-sanner.de



