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Heute Abend im ARD-Programm Tatort "Familien" aus Köln - Theo Lingen lässt grüßen

Von Joachim Schmitz | 06.05.2018, 14:30 Uhr

Der Tatort kommt heute Abend aus Köln und markiert nicht gerade eine Sternstunde der Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär). Vielmehr ist „Familien“ über weite Strecken arg dialoglastig und altbacken. Und der neue Assi Jütte (Roland Riebeling) gibt zunehmend einen verfressenen Spaßvogel mit lahmen Flügeln.

Wer sich darüber beklagt, dass im Tatort immer alles so duster ist, findet im neuen Fall der Kölner Ermittler Trost: Da kommen sogar die Besoffenen vom Junggesellenabschied im Hellen nach Hause. Ganz bis nach Hause schafft es der angehende Bräutigam Ivo Klein aber nicht: Kaum ist er aus dem Bus geschwankt, findet er in einem Mülleimer eine Reisetasche mit 500.000 Euro, nimmt sie mit und wird Sekunden später von einem Kleinwagen überfahren. (So war der letzte Tatort aus Köln)

Ende einer Ehe, bevor sie begann. Das Geld, so finden Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk schnell anhand von Fingerabdrücken heraus, hatte der Wirtschaftsanwalt Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig) deponiert, um seine gekidnappte Enkelin freizukaufen.

Die Kommissare haben also doppelt zu tun – einen Mord aufzuklären und eine entführte junge Frau zu retten. Spannend macht das diesen Tatort allerdings nicht. Vielmehr ist die Mischung aus Krimi und Familiendrama von Christine Hartmann derart konventionell inszeniert (Buch: Christoph Wortberg), dass man das Gefühl nicht los wird, ein Werk aus den Sechzigern zu sehen, als 80 Prozent des Films aus Dialogen bestanden. Altbacken wäre das passende Etikett, aber hat der Tatort aus Köln nicht zuletzt deshalb nach wie vor so eine große Fangemeinde?

Sei’s drum - weil dieser Tatort ja „Familien“ heißt, ist auch der Nebenstrang ganz aufs Thema abgestimmt. In regelmäßigen Abständen buhlen schale Witzchen um den von Schenk vergessenen 30. Hochzeitstag um das Schmunzeln der Zuschauer – und nerven zunehmend. Denn diese Späßchen aus der Generation Theo Lingen sind mindestens so originell wie der ewig hungrige und ständig gute Hinweise liefernde Assi Jütte (Roland Riebeling). So etwas hat man schon tausendmal gesehen, aber es scheint sich einfach nicht zu verbrauchen. (Warum Patrick Abozen nicht mehr der Assi im Kölner Tatort ist)

Dass der Kölner Tatort durchaus das Zeug hat, sowohl ein weniger experimentierfreudiges Publikum zu bedienen als auch sehenswerte Krimikost anzubieten, hat er hinlänglich bewiesen. Dieser 73. Fall für Ballauf und Schenk gehört aber zweifellos zu den seltenen, aber doch regelmäßigen Ausschlägen nach unten. (So stark war der Kölner Jubiläums-Tatort "Bausünden")

Fall Nummer 74 „Die siebte Zypresse“ (Arbeitstitel) wurde bereits vor anderthalb Jahren gedreht – im Oktober 2016 - die Kölner Kommissare arbeiten immer besonders weit im Voraus. Zur Ausstrahlung kommt der Film vermutlich noch in diesem Jahr, nicht aber vor der Sommerpause.

Tatort: Familien. Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr

Wertung: 3 von 6 Sternen