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Festival beginnt am Samstag mit Großer Nachtmusik Anna Netrebko singt beim Musikfest Bremen

Von Ralf Döring | 21.08.2019, 16:56 Uhr

An diesem Wochenende startet das Musikfest Bremen, und zwar zum 30. Mal. Was bringt der Jubiläumsjahrgang?

Dieses Jahr kommt sie, die Sopranistin schlechthin: Anna Netrebko singt beim Musikfest Bremen. Dafür hat der Intendant des Festivals, Thomas Albert, lange gearbeitet. "Wir versuchen seit sieben, acht Jahren, sie hierher zu bekommen", sagt er. Bisher standen immer Probenpläne der Sängerin einem Auftritt in Bremen entgegen, und auch diesmal wäre die Sache fast gekippt: Eigentlich wollte Albert die konzertante Aufführung der Oper "Adriana Lecouvreur" von den Salzburger Festspielen nach Bremen holen. Im letzten Moment musste der Dirigent absagen, und Netrebko wollte sich nicht auf einen Ersatz einlassen. Die Lösung schlug die Sopranistin selbst vor: Sie singt nun, gemeinsam mit Ehemann Yusif Eyvazov, den Galaabend, mit dem sie ein paar Wochen später im Gerry-Weber-Stadion gastiert. Nur dass in Bremen die Rahmenbedingungen andere sind: "Dieser für Sänger so tolle Saal" (Albert) und die Deutsche Kammerphilharmonie werden für ein exklusives Ereignis sorgen.

Die Lieblinge des Intendanten

So sehr solche Stars sein Festival nach außen leuchten lassen, so sehr achtet Albert darauf, nicht durch Glamour den Charakter des Musikfests zu verwässern. Dessen Kern bildet die Alte Musik,die historische Aufführungspraxis - das Segment, dem der Geiger und Musikprofessor Thomas Albert musikalisch entstammt. Und da hat er einige Höhepunkte, auf die Albert selbst sich besonders freut, und ganz sicher zählt dazu der griechische Dirigente Teodor Currentzis, der in diesem Jahr den Musikfestpreis erhält.

Die Oper "Antiochus und Stratonica" von Christoph Graupner sei eine "Repertoire-Trouvaille", sagt Albert, "ein absoluter Knaller", für den das Festival ins Oldenburgische Staatstheater geht (25. August). In der Glocke wiederum lässt Albert die Sopranistin Diana Damrua zusammen mit dem Harfenstar Xavier de Maistre "Auf Flügeln des Gesanges" schweben (7. September). Alberts absolutes Highlight aber ist das Abschlusskonzert in der Glocke am 24. September: Leonidas Kavakos ist dann Solist im Violinkonzert von Ludwig van Beethoven, anschließend spielt das Aurora Orchestra die Symphonie fantastique von Hector Berlioz - "auswendig und im Stehen", sagt Albert. Nicht das ist dabei das maßgebliche Kriterium, sondern vielmehr der junge, schnelle, zupackende Geist, der das Ensemble ausmacht. "Klammer und Ausblick auf 2020" sei dieses Abschlusskonzert. Auch nach dreißig Jahren Musikfest Bremen ist Albert "alles andere als müde". Im Gegenteil: Er entwickelt sein Festival permanent weiter, sieht wie es "immer runder" wird.

"Ansporn ohne Ende"

Dafür geht er in die Fläche. Für den Orgelbauer Arp Schnitger, dessen Todestag sich dieses Jahr zum 300. Mal jährt, hat er vor zehn Jahren ein Festival im Festival erfunden, das die gesamte Orgelregion von Ostfriesland bis Holland zum Klingen bringt. Ohnehin wachsen die Bremer Musiktage rein geografisch; allein für Papenburg hat er ein viertägiges kleines Festival konzipiert; mit dem Ensemble Pygmalion unter Raphaël Pichon hat er französische Shootingstars für die St. Marienkirche in Friesoythe engagiert. Das Musikfest gastiert in Jever und in Sögel, in Verden und in Clemenswerth. Und zum Auftakt gibt es die Große Nachtmusik, mit Albert neun Spielstätten rund ums Rathaus mit 27 Konzerten bespielt. Ein Kraftakt für den Festivalchef - aber auch nach dreißig Jahren treibt ihn die Lust an der Musik, hat er "Ansporn ohne Ende".

Mehr Informationen:

Zur Sache:

24. August bis 14. September. Weitere Infos und Online-Kartenbestellung: www.musikfest-bremen.de