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Mann erstochen Bremer Gericht verurteilt 24-Jährigen wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft

Von dpa | 26.02.2019, 11:39 Uhr

Ein Kompliment an seine Freundin macht einen 24-Jährigen so wütend, dass er den anderen Mann schwer verletzt. Als er auf der Flucht aufgehalten wird, zückt er erneut sein Messer - und trifft ins Herz.

Nach einem tödlichen Messerangriff ist ein 24-Jähriger am Dienstag in Bremen zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der Russe im November 2017 in Bremen einen Mann erstochen und einen anderen schwer verletzt hat. Es verurteilte ihn wegen Totschlags, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperletzung. Auslöser der beiden Taten war ein Kompliment an die Freundin des Täters. Ein mitangeklagter 23-Jähriger wurde freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein kurzes Gespräch im Supermarkt war nach den Ausführungen des Vorsitzenden Richters der Auslöser für zwei Taten mit einem Schwerverletzten und einem Toten. Demnach sagte ein aus Pakistan stammender Mann zur Freundin des Täters „schöne Frau". Der 24-Jährige erboste sich darüber so sehr, dass er den Mann kurze Zeit später auf der Straße angriff. „Nach Ihren Vorstellungen gehört eine solche Ansprache zu den Gefahren, vor der Sie sie schützen müssen", sagte der Richter zu dem 24-Jährigen, der aus Tschetschenien stammt. Der Angeklagte habe sich als sorgender und wehrhafter Mann zeigen wollen. Der Kammer zufolge schlug der Täter seinem Opfer zunächst mit der Faust ins Gesicht und stach dann mit einem Messer auf dessen Oberkörper ein.

Der Version des 24-Jährigen, nach der der andere Mann seine Freundin schwer beleidigt und später ihn selbst angegriffen habe, schenkte die Kammer keinen Glauben. Der Vorsitzende Richter verwies auf viele Zeugen. „Die Tat fand auf offener Straße in einem viel belebten Viertel statt."

Als andere Menschen auf den Angriff aufmerksam wurden, flüchtete der 24-Jährige. Dabei versuchte ein weiterer Mann, der ebenfalls aus Pakistan stammte, ihn aufzuhalten und hielt den jungen Mann von hinten fest. Der 24-Jährige drehte sich um, zückte erneut sein Messer und stach zu. „Er war unbewaffnet, er hat noch nicht mal zu einem Schlag ausgeholt. Sie stachen in sein Herz, um fliehen zu können", beschrieb der Vorsitzende Richter die zweite Tat, die tödlich endete. Der 24-Jährige floh kurze Zeit später nach Polen, dort heiratete er später seine Freundin nach islamischem Ritus. Als die Frau nach Deutschland zurückkehrte, kamen die Ermittler auf die Spur des 24-Jährigen. Er wurde verhaftet und ausgeliefert.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 24-Jährige den Tod seiner beiden Opfer billigend in Kauf nahm. Mordmerkmale erkannte das Gericht nicht. Der abgelehnte Asylbewerber, der zum Tatzeitpunkt in Bremen war, um seine Freundin zu besuchen, hat nach einem Gutachten eine Persönlichkeitsstörung und eine Intelligenzminderung. Er sei übermäßig besitzergreifend, schnell gekränkt und strebe nach einem tschetschenischen Ideal. Dazu gehört ein sehr traditioneller Ehrbegriff.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Mann eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren beantragt. Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf eine Haftstrafe von fünf Jahren und wertete die Taten als gefährliche Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge.