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"Landwirtschafts-Simulator 19" Die Faszination des virtuellen Landlebens

Von Antonia Wahmhoff | 12.11.2018, 12:22 Uhr

Seit Jahren gehört der "Landwirtschafts-Simulator" zu den meistverkauften Computerspielen Deutschlands. Ein Phänomen, das zeigt: Landwirtschaft ist spannend. Am 20. November erscheint eine Neuauflage des Simulationsspiels. Was ist der Reiz des virtuellen Landlebens?

Die Sonne scheint. Getreideähren wiegen sich im Wind. Es herrscht Stille – bis ein Mähdrescher mit entsprechender Geräuschkulisse zur Ernte ansetzt. Statt im echten Leben spielt sich diese Situation auf dem Bildschirm ab. Hinter dem Steuer der großen Maschine: Ein Spieler, der beim "Landwirtschafts-Simulator" (kurz "LS") in die Rolle eines Landwirts geschlüpft ist.

Ackerbau, Tierhaltung und Forstwirtschaft

Mit dem erfolgreichen Simulationsspiel des Schweizer Unternehmens Giants Software lässt sich das Bewirtschaften eines Bauernhofs am Computer und anderen Endgeräten nachspielen. Der virtuelle Bauer kümmert sich um Kühe, Schweine und Hühner, verrichtet Feldarbeit mithilfe von Landmaschinen bekannter Fabrikate, kann darüber hinaus forstwirtschaftlich tätig werden und sogar Windkraft- oder Solaranlagen errichten. Als Hofstandort können Anbaugebiete auf der ganzen Welt auswählt werden.

Herausforderung: Betriebsmanagement

Jeder Spieler beginnt mit drei Feldern und einem Trecker. "Es geht darum, einen Betrieb aufzubauen und diesen stets zu erweitern durch Maschinen, Ackerflächen und zusätzliche Tiere", erklären zwei 16-jährige Osnabrücker, die "LS" schon seit einigen Jahren spielen. Für die Gymnasiasten ist vor allem die wirtschaftliche Perspektive eine interessante Herausforderung: "Es macht Spaß, den Hof zu managen und die Investitionen zu planen."

Vielfältiges Aufgabenfeld

Das Aufgabenfeld der Cyber-Landwirte ist vielfältig. Die Nutztiere müssen regelmäßig mit optimal zusammengesetztem Futter versorgt werden. Ställe werden ausgemistet. Bei der Bestellung von Feldern muss je nach Feldfrucht und Jahreszeit gepflügt, gegrubbert, gesät, für höhere Erträge gedüngt und anschließend zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt geerntet werden. Hin und wieder erschweren Wetterereignisse den Ackerbau. Zur Finanzierung von Flächen, Maschinen oder Stallneubauten werden Kredite aufgenommen und schließlich auch wieder bei der Bank getilgt. Das Wirtschaften erfordert ständig strategische Entscheidungen.

Nah an der Realität

Auch wenn Kenner der Landwirtschaft natürlich deutliche Unterschiede zur Praxis feststellen können, wie das Fehlen von Ernterückständen auf den Feldern oder Kontrollen bei der Tierhaltung, sei das Spiel mittlerweile nah an der Realität, finden die beiden Freunde. Dieser Auffassung ist auch Chemielehrer Hilko Wilberts. Er teilt die Faszination der Schüler und sieht neben dem Spaßfaktor in dem Spiel einen wichtigen Lerneffekt. Menschen könnten für das Thema Landwirtschaft begeistert werden und ein Gespür für die hohe Komplexität der Arbeitsabläufe bekommen, findet er.

Wirklichkeit und Spiel

Wilberts weiß, dass auch andere Software-Unternehmen landwirtschaftliche Simulationsspiele entwickelt haben. Ein Entwicklungsteam aus Bremen treibe den Anspruch, die komplexen Abläufe der Landwirtschaft wirklichkeitsgetreu erfahrbar zu machen, mit ihrem Spiel "Cattle and Crops" noch weiter. Und doch ist bei allen Simulatoren zum Glück nicht alles real: "Man kann sich Maschinen kaufen, die im echten Leben viel zu teuer wären", erklären die Osnabrücker Schüler den Reiz der spielerischen Möglichkeiten.

Neu: "Landwirtschafts-Simulator 19"

Am 20. November erscheint eine neue Auflage des Computerspiels. Beim "Landwirtschafts-Simulator 19" können Spieler nach Angaben der Hersteller erstmals Baumwolle anbauen und Pferde halten. Neben zahlreichen neuen Fahrzeugen und Maschinen soll ein Hofhund für die nötige Idylle sorgen. Die beiden Osnabrücker freuen sich vor allem auf eine detailliertere Grafik und hoffen auf einen verbesserten Sound. Besonders die Motorengeräusche seien noch ausbaufähig.