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20 von 10.000 Einwohnern betroffen Bremen verzeichnet die meisten Privat-Pleiten

27.12.2015, 20:35 Uhr

Bremen ist das Bundesland mit der schlechtesten Quote bei den Privatinsolvenzen. Unterschiede extremster Art offenbart der Blick in die Stadtteile.

Das Land Bremen nimmt bei den Verbraucherinsolvenzen den ersten Platz unter den Bundesländern ein. 19,8 Verbraucherinsolvenzen pro 10000 Einwohner wurden in Bremen 2014 registriert, im Land Niedersachsen waren es 15, wie das das Statistische Landesamt Hannover mitteilte. Das Flächenland belegte den dritten Platz im bundesweiten Vergleich. Zwischen Bremen und Niedersachsen liegt in der Statistik das Land Sachsen mit 15,3 Privatinsolvenzen pro Jahr und 10000 Einwohnern.

Bundesweit und auch in den Ländern Niedersachsen und Bremen sind Privatinsolvenzen sowie Insolvenzen allgemein allerdings rückläufig. Bundesweit ging die Zahl der Verbraucherinsolvenzen 2014 um acht Prozent zurück, im Vorjahr waren es sogar 9,1 Prozent, so das Institut Creditreform. Dieses entspreche einem Zehnjahrestiefststand.

Mittelwert in vergangenen zehn Jahren gesunken

Der ebenfalls vom Statistischen Landesamt Bremen herausgegebene Ortsteilatlas fasst für die Stadt Bremen und ihre Stadtteile die Verbraucherinsolvenzen zu Fünf-Jahres-Mittelwerten zusammen. Hier liegt der Mittelwert für die Stadt Bremen bei 22,3 für die Jahre 2009 bis 2014, für 2005 bis 2009 lag er bei 24,2.

Der Blick in die Stadtteile zeigt extreme Unterschiede bei der Häufigkeit der Privatinsolvenzen. In Lindenhof gab es von 2010 bis 2014 durchschnittlich 47,4 Privatinsolvenzen pro 1000 Einwohner und Jahr, 2005 bis 2009 waren es noch 45. In Ohlenhof sank die Zahl von 43,7 auf 41,8. Im nördlichen Stadtteil Blumenthal stieg sie von 28,2 auf 34,3.

Einen Anstieg verzeichneten auch Gröpelingen (40,5 auf 41,8) und Tenever 30,6 auf 33,8. Im vergleichsweise reichen Oberneuland halbierte sich der Wert im Fünf-Jahres-Vergleich nahezu von 6,2 auf 3,2, im wohlhabenden Schwachhausen sank er von guten 7,1 auf 4,9. Generell gilt, die Bewohner ärmerer Stadtteile gehen weitaus öfter in die Pleite.

Ebenfalls einen Spitzenplatz hat das Land Bremen bei der Schuldnerquote, so Creditreform. Etwa 80000 überschuldete Bremer sorgen für eine Schuldnerquote von 14,1 Prozent. Auch hier schneidet Bremen im Ländervergleich am schlechtesten ab.

Im ärmsten Stadtteil Bremerhavens, in Lehe, ist laut Medienberichten jeder dritte Einwohner überschuldet. Die Stadt Bremen weist eine durchschnittliche Schuldnerquote von 12,76 Prozent auf. Der mittlere Wert in der Bundesrepublik liegt bei 9,92 Prozent.