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Aktuelle Wohnungsfragen Junge Architekten geben Impulse für Bremer Baupolitik

Von Martin Kowalewski | 05.02.2016, 22:40 Uhr

Erst sprachen beim Bremer Stadtdialog im Speicher XI junge Architektur-Absolventen, dann kamen Bausenator Joachim Lohse (Grüne) und weitere erfahrene Profis zu den aktuellen Wohnungsfragen in der Stadt Bremen zu Wort. Kurzvorträge zu Abschlussarbeiten von Architektur-Studierenden aus Bremen und anderen deutschen Städten kamen den baupolitischen Herausforderungen der Gegenwart nahe.

Mit dem Bremer Hinterhof beschäftigte sich zum Beispiel Sven Petersen, der in Hannover Architektur studiert hat und mittlerweile in Hamburg arbeitet. Er betrachtete den Stadtteil Neustadt mit seinen Reihenhäusern unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Nachverdichtung in den Innenhöfen. „Von der Straßenfront gesehen, herrscht Homogenität. Dahinter in den Innenhöfen Heterogenität. Da hat sich das Individuum den Raum strukturiert“, so Petersen. Man sollte auf neue Mauern und Zäune verzichten. In diese Zwischenräume hineinzubauen sei nicht einfach, nicht zuletzt, weil die Anwohner durch Baulärm nicht gestört werden wollten. Eine mögliche Lösung lieferte der junge Architekt gleich mit: Neue Häuser entstehen auf Basis von Boxen, die vormontiert angeliefert werden.

Weitere Studien betrachteten die bauliche Erschließung von Flächen an oder gar unter der B75 sowie das Wohnen am Existenzminimum, auf sehr engem Raum und in Gemeinschaften.

Diskussion profitiert von frischen Ideen

Die anschließende Podiumsdiskussion mit alten Profis zum Thema Bau profitierte durchaus von den frischen Ideen. Peter Stubbe, Vorstandsvorsitzender der Gewoba, betonte, dass es vor dem Hintergrund des Flüchtlingszustromes für weitere zwei bis drei Jahre nötig sein werde, auf unkonventionelle Wohnformen wie etwa Wohngemeinschaften zurückzugreifen. Ein ungewohnter Einschnitt, denn seit dem Zweiten Weltkrieg stieg der vom durchschnittlichen Bremer Bürger genutzte Wohnraum an.

Das brachte der Bremer Bausenator Joachim Lohse (Grüne) auf den Punkt: „Die Architekten haben verlernt, flächeneffizient zu bauen.“ Die Leute könnten nicht immer mehr Fläche in Anspruch nehmen.