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Behinderungen im Zugverkehr Sagedorn: Gewehrschütze auf Gleisen löst Großeinsatz aus

Von Christian Ströhl | 26.05.2016, 00:42 Uhr

Ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann im Gleisbett bei Sagedorn hat einen Großeinsatz der Bundespolizei Bremen ausgelöst und für Behinderungen im Schienenverkehr gesorgt.

Die Meldung der Notfallleitstelle der Bahn aus Hannover klang dramatisch: Ein Mann sitzt mit einem Gewehr im Anschlag auf einem Abstellgleis in der Nähe von Sagehorn – allemal Grund genug für einen Blaulichteinsatz der Bundespolizeiinspektion Bremen.

Zugführer muss Geschwindigkeit drosseln

Das Gleis wurde laut Polizeiangaben gesperrt, mit dem Fahrdienstleiter telefoniert und die Zuggeschwindigkeit der Durchfahrgleise der Bahnstrecke Bremen/Hamburg auf rechtzeitiges Stoppen wegen „Personen im Gleis“ reduziert. Merkwürdig fanden die Beamten zudem die Meldung von einem aufgebauten Zelt und einem abgestellten Fahrzeug. Nach Halterabfrage erfuhr die Polizei: Es gehörte einem Jäger.

Jagdgewehr liegt im Fußraum

Der 47-Jährige Fahrer und mutmaßliche Schütze hatte unterdessen seine Ausrüstung wieder zusammengepackt, berichtet die Polzei. Die Bundespolizeistreife traf ihn auf dem Parkplatz am Bahnhof Sagehorn in seinem Fahrzeug an. Das Jagdgewehr lag zugriffsbereit im Fußraum der Beifahrerseite, was Polizeibeamte gar nicht gerne sehen.

Gute Sicht

Der Grünrock rechtfertigte sich gegenüber den Beamten damit, nur „auf Wild angesessen zu haben“. Die Bahnstrecke – hier ein Abstellgleis samt Prellbock – erschien ihm der geeignete Punkt zu sein, das Gelände vom erhöhten Bahndamm aus im großen Winkel „als Kugelfang“ zu nutzen. Weil in Reichweite seiner Geschosse eine Kreisstraße verläuft, ein durchaus gangbarer Gedanke zum Schutze des Straßenverkehrs, wäre da nicht die Beeinträchtigung des Bahnverkehrs: Fünf Züge verspäteten sich um 56 Minuten.

Bußgeld

Nun könnten ihm nicht nur Regressansprüche der Bahn drohen, sondern auch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen „Vornahme einer Betriebsstörung“ im Sinne der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung. Die Höhe des Bußgeldes lässt sich derzeit noch nicht einschätzen, könnte jedoch „nicht unerheblich“ ausfallen, sagt die Polizei.