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Bereits 14.000 Besucher Bremer Bunker Valentin: „Hier wird Geschichte spürbar“

Von Martin Kowalewski, Martin Kolbe | 30.06.2016, 16:55 Uhr

Der Denkort Bunker Valentin verzeichnet einen höheren Besucherstrom als erwartet. Auch im Ausland stößt der frühere U-Boot-Bunker auf reges Interesse.

Der Erfolg hat alle Erwartungen übertroffen. Seit der Eröffnung des aufwendig gestalteten Denkorts Bunker Valentin kamen 14000 Besucher und informierten sich über die Zwangsarbeit auf der Baustelle der U-Boot-Werft im Bunker. Um die positive Entwicklung zu würdigen, besuchte nun die Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) die Gedenkstätte.

„Mit so vielen Besuchern haben wir nicht gerechnet. Das schafft neue Herausforderungen, aber das sind wirklich angenehme Probleme“, sagte Thomas Köcher, Leiter der Bremer Landeszentrale für politische Bildung, dem Betreiber der Gedenkstätte.

„Es kommen Besucher aus ganz Deutschland und viele internationale Gäste. Das sehen wir zum Beispiel an den Autokennzeichen auf dem Parkplatz. Da sind Leute aus Frankreich, aus England oder auch aus Polen bei“, sagte Markus Meyer, wissenschaftlicher Leiter des Denkorts Bunker Valentin. Beim zweisprachigen elektronischen Ausstellungs-Guide wird von der Hälfte der Besucher die englische Sprache gewählt.

Die Gedenkstätte kann ohne jedes Vorwissen besucht werden. Die erläuternden Texte sind einfach gehalten, die Exponate beeindruckend. „Wer danach noch mehr wissen will, kann dann ein Buch zu dem Thema lesen, so Meyer. „Wir wollen deutlich machen, das ist ein Ort, an dem Zwangsarbeit stattgefunden hat. 1100 Zwangsarbeiter fanden auf der Baustelle den Tod.

Senatorin Bogedan zeigte sich beeindruckt. „Hier wird die Geschichte spürbar. Das ist ein wichtiger Ort für die Arbeit mit jungen Menschen“, so die Senatorin. „Das ist besonders wichtig, weil die Zeitzeugen langsam aussterben.“ Besonders geeignet sei der Ort für Schulklassen, so die Senatorin weiter. „Wichtig ist, dass die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus nicht nur über den Kopf stattfindet, sondern auch über das Herz“, so Bogedan.

Fotos dokumentieren die Arbeit der Zwangsarbeiter. Das sieht zunächst ganz unverdächtig aus. „Wichtig ist, was man auf diesen Fotos nicht sieht. Es ist nichts von der Beziehung zwischen den Aufsehern und den Häftlingen zu sehen und auch nichts von Gewalt“, so Meyer. „Auch sind die Zwangsarbeiter hier noch gut ernährt. Bereits drei Monate später zeigten sie Anzeichen von starker Unterernährung.“

Besucher können wieder weit in das Innere des Bunkers schauen. In der Decke in einem Bereich des Bunkers scheint Licht durch riesige Löcher. Überall liegt Schutt und Geröll. In unmittelbarer Nähe steht ein altes Lastenfahrzeug. Am 27. März 1945 beendete ein gezielter Luftangriff die Arbeiten am Bunker. Fotos der britischen Luftwaffe hatten stets den Stand der Arbeiten dokumentiert. Die Alliierten ließen den Bau zu, damit die Arbeitskräfte gebunden blieben, bis der Bunker zu 90 Prozent fertig war. Die Angreifer wussten genau, wo die Decke 4,60 Meter statt sieben Meter dick ist. Dort beendeten zwei Treffer die Arbeiten.