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Bloß nicht ins Seil fallen Neues Kletterzentrum des Bremer Alpenvereins eröffnet

10.01.2016, 21:27 Uhr

Das neue Unterwegs-Kletterzentrum des Bremer Alpenvereins treibt Anfänger und routinierte Kletterer mit seinen mit vielen bunten Griffen gespickten Wänden an ihre Grenzen.

Nach einem Monat Betrieb ist das neue, drei Millionen Euro teure Unterwegs-Kletterzentrum des Bremer Alpenvereins gut besucht. Hier können Gäste in unmittelbarer Nähe der Uni in einer großen und einer kleinen Halle klettern sowie in einer weiteren kleinen Halle bouldern, also ohne Seil in Absprunghöhe klettern.

Hoch hinaus auf 14 Meter wollen die Besucher Steven Griffiths und Ragna Müller. Wenn einer klettert, muss der andere sichern, also das Seil festhalten, aufpassen, dass es in einer Sicherungseinheit liegt, und immer etwas Länge nachgeben. „Wir testen heute beide nur aus, wie die Route zu schaffen ist“, sagt Müller. Immer wieder lassen sie sich auf ihrem Weg Richtung Hallendecke in das Seil fallen und nehmen so das Gewicht von ihren Armen und Beinen. Wenn sie die Route wirklich schaffen wollen, darf das nicht mehr passieren.

Die vielen Griffe an den Kletterwänden haben viele verschiedene Formen und Farben. Einige sind eher rundlich, haben aber eine wellige Oberfläche. Andere sind groß und sehen wie Tiere aus. Man kann auch gut hinter sie greifen, weshalb sie das Klettern vereinfachen. An den bunten Wänden erkennen die beiden Sportler ihre Route anhand der Farbe der Griffe. Rot ist angesagt.

Unten steht auf kleinen Schildern, wie schwierig die ausgesuchte Route ist. Zur Auswahl stehen die Schwierigkeitsgrade drei bis zehn. „Anfänger kommen mit dem Schwierigkeitsgrad drei eigentlich zurecht. Grad eins entspräche einer Treppe. Weltweit streiten sich acht Leute darum, ob sie den Schwierigkeitsgrad elf geschafft haben. Das brauchen wir hier beides nicht“, sagt Geschäftsführer Jonas Loss. „Für Grad sechs muss man schon längere Zeit mehrfach die Woche trainieren.“

Griffiths und Müller haben den extrem hohen Schwierigkeitsgrad acht minus, also nahezu acht, gewählt. Der Körper muss immer wieder eingedreht werden. So wird er länger und erreicht den nächsten Griff. Die Halterungen sind meist flach und schwer zu greifen. Einmal muss Müller etwas springen. „In der Halle ist das Klettern noch etwas leichter als draußen am Fels. Am Fels würde ich nie eine Neun schaffen, in der Halle hat das schon mal geklappt“, sagt Griffiths.

Griffiths und Müller klettern die Route im sogenannten „Vorstieg“. Dabei hängen viele Sicherungsschlaufen an der Wand. Auf dem Weg nach oben muss der Kletterer sein Seil immer wieder in neue Sicherungsschlaufen einhaken. Die Kletteranfänger in der Halle verwenden die „Toprope-Sicherung“. Dabei ist das Seil bereits ganz oben befestigt.

Geschäftsführer Loss ist auch sehr klettererfahren und betont, dass Klettern eine sehr sichere Sportart sei. „Die Haken und alle anderen Sicherungselemente sind für ein Gewicht von mehr als zwei Tonnen ausgelegt“, sagt Loss. „Materialversagen gibt es beim Klettern nicht mehr. Unfälle passieren meist, weil Sicherungsknoten nicht richtig gemacht werden und die sichernde Person nicht merkt, dass dieser sich löst, weil sie sich gerade unterhält.“ Wer klettern oder sichern will, muss zuvor einen Einführungskurs absolvieren.