Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Bürgerinitiative wehrt sich Bremen: Gartenstadt erhitzt nicht nur die Gemüter

26.06.2015, 23:25 Uhr

In der Gartenstadt am Werdersee soll wieder gebaut werden. Eine ehemalige Erweiterungsfläche des Friedhofs Huckelriede wird nicht mehr gebraucht und soll gut 1100 Menschen eine neue Heimat in 570 Wohneinheiten bieten. Das gefällt nicht allen.

Die beteiligten Architekten wollen den besonderen Charakter der Gartenstadt bewahren.

Der Bürgerinitiative „Rettet die grüne Lunge Werdersee“ ist das allerdings nicht genug. An zwei Themenabenden, genannt Planungswerkstätten, trafen Planer, potenzielle Bewohner und die Macher des Projektes aufeinander. Ein weiterer folgt. Die kritischen Anmerkungen werden gesammelt und dem Bauressort übergeben.

„Wir wollen die Bebauung möglichst knapp halten. Am liebsten wäre uns, da würde gar nicht gebaut“, sagte Karen Witt von der Bürgerinitiative am Donnerstag während der Planungswerkstatt. Ein Argument der Nachbarn des zukünftigen Baugeländes: Eine Bebauung steigert den Temperaturanstieg in der Stadt.

Die kühlende Wirkung des Werdersees ist gutachtlich bestätigt. Der See ist ein Kaltluft-Entstehungsgebiet. Es fließt kühle Luft vom Werdersee über den zukünftigen Bauplatz in Richtung Süden. Muss die Lunge Werdersee also wirklich frei bleiben? Der Moderator Frank Schlegelmilch, Ingenieur bei der Firma Baumgart & Partner, sieht darin kein stichhaltiges Argument. „Das ist nur in sehr heißen Sommernächten ein wichtiges Thema.“ Und betroffen wäre lediglich ein naheliegendes Industriegebiet. Da arbeitet aber nachts keiner“, sagte Schlegelmilch.

Neben Wohnblocks, einer Schule, einer Kita und Geschäften soll auf den 17,4 Hektar auch Platz für viele Grünflächen bleiben. Erreichbar soll das Areal über einen Boulevard sein. Einige potenzielle Bewohner hätten gerne einen Marktplatz gehabt. „Der Boulevard erlaubt auf einer Fläche zwischen Straßen verschiedenste Arten der Nutzung. Die Frage wäre dann nur, wann Markt ist“, sagte Johannes Böttger, Planer bei der involvierten Agentur Urbane Gestalt. „Wir wollen auf jeden Fall ein Wohnen schaffen, bei dem Gärten und Grünflächen eine besondere Rolle spielen“.

Die Umweltprüfung zeigt, dass einige programmierte Schädigungen Kompensationsmaßnahmen erfordern. Kritisch sieht es auch noch bei der Regenwasserabfuhr bei extremen Niederschlägen aus. Der verfügbare Kanal an der Habenhauser Landstraße würde dann überlastet werden, deshalb müssen die Wohnbereiche um fünf bis sechs Meter angehoben werden. „Bremen macht ein gutes Angebot mit dieser Bürgerbeteiligung. Die Politik wird mit den Ergebnissen der drei Diskussionsabende weitermachen“, sagte Schlegelmilch. Eine dritte Planungswerkstatt findet am Mittwoch, 15. Jul,i um 18 Uhr in der Mensa des Schulzentrums am Leibnizplatz statt. Dann geht es um die Themen Verkehr, Erschließung und Mobilität.