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„Cats“ Musical-Klassiker gastiert in Bremen

Von Mareike Bader | 06.09.2017, 20:42 Uhr

Mit Live-Musik und hervorragenden Tänzern feierte „Cats“ in Bremen Premiere. Allein die Untertitel für die englischsprachige Fassung passten nicht.

Die Katzen tanzen wieder – und dieses Mal sogar auf Englisch. Mehr als 35 Jahre nach der Premiere von „Cats“ am Londoner West End und 31 Jahre nach der deutschen Premiere in Hamburg führt die Tournee des Musicalklassiker ein international renommiertes Ensemble mit Live-Band durch sieben deutsche Städte. Bremen ist die drittletzte Station.

Die Darsteller bieten alles, was man von „Cats“ erwartet: Präziser Tanz und eine Akrobatik, die einen vor Neid erblassen lässt. Und sie verlangt dem Ensemble jede Menge Konzentration und Kondition ab. Schon Sophia McAvoy beeindruckt als weiße Katze Victoria in ihrem Solo zu Beginn des Stückes, wenn sie grazil das Bein geradewegs am Ohr vorbei nach oben führt oder anmutig in den Spagat fällt.

Rum Tum Tugger zu brav

Robbie McMillan springt als zaubernder Mr. Mistoffelees über die Bühne, die gerade so für die gut 20 Katzen reicht. Er überrascht mit Tricks, ist aber nicht ganz so liebenswürdig und schüchtern, wie man die Figur schon erlebt hat. Auch Nathan Johnsson als Rum Tum Tugger zeigt eine an sich gute Vorstellung. Doch der Rock‘n‘Roll-Kater des 25-Jährigen wirkt nicht abgebrüht genug. Er wirkt zu brav, als dass ihm wirklich alle weiblichen Katzen zu Füßen liegen könnten. Für Lacher sorgen die quietschenden Kätzinnen trotzdem.

„Cats“ gehört zu den erfolgreichsten Musicals weltweit, die Messlatte liegt hoch. Die Geschichte mit der Musik von Andrew Lloyd Webber um den Ball der „Jellicle Cats“ fasziniert auch noch heute über Generationen hinweg. Bei der Premiere in Bremen ist das Publikum bunt gemischt: vom kleinen Mädchen mit Katzenohren-Haarreif bis zu Fans, die den Klassiker wahrscheinlich nicht zum ersten Mal sehen.

Musical im Original auf Tour

Einige werden Cats aber sicherlich erstmals in der englischen Originalfassung erleben. Als Stütze sollen zwei Spruchbänder hoch neben der Bühne helfen. Besucher in den vorderen Reihen müssen dazu ständig vom Geschehen wegsehen.

Dafür gibt es in der ersten Reihe direkten Kontakt mit dem „Jellicle Cats“. Eine Besucherin darf mit Rum Tum Tugger sogar Tango tanzen. Immer wieder strömen die Darsteller in den Zuschauerraum und tanzen in den Gängen ganz dicht am Publikum. Wer nicht in den Genuss kommt, kann in der Pause ein Foto mit der Oberkatze Old Deuteronomy machen lassen.

Untertitel nur teilweise hilfreich

Die Untertitel funktionieren nur fragmentarisch und verwirren. Mal kommt die Übersetzung zu früh, mal zu spät, mal gar nicht und verwirrt teilweise. Am hilfreichsten ist da noch eine grobe Zusammenfassung des Geschehens.

Da ist es gut, dass das revueartige Musical keine wirkliche Handlung hat. Die verschiedenen Katzen des jährlich stattfindenen „Jellicle Balls“ stellen sich in Mitten einer überdimensionalen Müllhalde vor. Am Ende soll eine Katze ausgewählt werden, die ein neues Katzenleben beginnen darf.

Die eingängige Musik und die darauf angepasste Choreografie transportieren das Geschehen an sich gut genug. Die alte Theaterkatze Gus oder Skimbleshanks, der gerne nachts mit Postzügen mitfährt, werden vom Publikum dennoch schnell ins Herz geschlossen und nach ihren Liedern mit kräftigem Applaus gefeiert.

„Memory“ rührt zu Tränen

Am besten schafft dies Joanna Ampil als Grizabella, die einstige Glamour-Katze. Das berühmte Lied „Memory“ kommt zwei Mal vor. Beim ersten Mal kurz vor der Pause gibt es nur kurzen Applaus. Beim zweiten Mal singt die 42-jährige Philippinin dann derart herzzerreißend, dass quer durch den Saal des Musical-Theaters geschluchzt wird.

Das Premierenpublikum feiert die Tournee-Vorstellung mit Standing Ovations und genießt die Zugabe, bei der mitgesungen und -getanzt werden kann. „Cats“ ist noch bis zum 10. September im Musical-Theater in Bremen zu sehen.