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Delegation von Unternehmern wieder zurück – „Aufbruchstimmung wie vor 15 Jahren in China“ Geschäfte mit dem Iran nehmen Fahrt auf

Von Martin Kowalewski | 29.02.2016, 22:02 Uhr

Insgesamt 60 Bremer Unternehmer bildeten eine Delegation, die Geschäftsmöglichkeiten für Bremer Unternehmen im Iran nach dem Wegfall der Sanktionen erkundet hatte. Bereits jetzt ist das Handelsvolumen im Vergleich zum Vorjahr gewachsen.

Bremen. Thorsten Grünewald, Referent des Geschäftsbereichs International der Handelskammer Bremen, war auch dabei. „In der Delegation waren zum Beispiel Consulting-Firmen, Handelsunternehmen für Maschinen und Laborequipment, aber auch Logistiker und Banken“, sagt Grünewald.

Die Delegation sei offen begrüßt worden. „Wir trafen auf eine Aufbruchstimmung, wie es sie vor 15 Jahren in China gegeben hat“, so Grünewald. Besonders gestaunt habe er darüber, dass mehr als die Hälfte der angetroffenen Führungskräfte Frauen gewesen seien.

Nach Einschätzung Grünewalds hat der Iran Nachholbedarf in allen Branchen. Die Handelskammer Bremen sieht gute Chancen vor allem im Maschinen- und Anlagenbau, der Hafen- und Logistikwirtschaft sowie für die Schifffahrts- und Schiffzulieferindustrie. Auch für die Flugzeug- und Automobilindustrie sowie für die Lebensmittelwirtschaft und -technologie gebe es gute Perspektiven. Dazu winke auch den Häfen im Land ein gutes Geschäft durch den Export und den, allerdings weitaus schwächeren, Import.

Die Entwicklung des Handels zwischen Bremen und dem Iran habe bereits wieder Fahrt aufgenommen. „Nachdem 2014 mit einem Handelsvolumen von sieben Millionen Euro ein Tiefpunkt erreicht war, gab es bereits 2015 wieder einen Anstieg auf 19 Millionen Euro“, so Grünewald. 13,5 Millionen Euro habe der Handel mit Werkzeugmaschinen ausgemacht, 2,9 Millionen Euro der Handel mit elektrischen Maschinen und Gerätschaften.

Der bisherige Rekord von 22,8 Millionen Euro wurde im Jahr 2005 erreicht. 2007 begann das Embargo, 2010 hatte sich das Handelsvolumen verglichen mit 2005 halbiert. Nach der Verschärfung der Sanktionen 2011 sanken die Zahlen weiter.

Positiv für die Zusammenarbeit bewertet Grünewald den Erfolg der moderaten Kräfte bei den Wahlen im Iran am vergangenen Freitag. Geld für Geschäfte läge im Iran nach Jahren des Embargos in großer Menge bereit. Derweil will Niedersachsen mit einer eigenen Repräsentanz in Teheran die Wirtschaftsbeziehungen verbessern. „Es geht darum, die Kontaktmöglichkeiten vor Ort für unsere Unternehmen zu verbessern und zu erleichtern“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Hannover. Er gehe davon aus, dass die Planungen bis zum Herbst abgeschlossen werden könnten und er die Repräsentanz im November bei seiner nächsten Iran-Reise eröffnen könne. Es wäre die vierte Repräsentanz des Landes nach China, Russland und den USA. (Mit dpa)