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Demografischer Wandel Diskussion in Bremen: Alter als Herausforderung

Von Martin Kowalewski | 17.02.2016, 22:55 Uhr

Der demografische Wandel war erneut Thema im Universum: Etwa 100 Besucher kamen zu der Veranstaltung „EY ALTER“ der IG Metall. Die Ideen aus der gleichnamigen Ausstellung wurden dabei an der Betriebsrealität gemessen.

Gut 100 Besucher kamen zu der Veranstaltung „EY ALTER: Die Alten gehen, die Jungen fehlen“ der IG Metall Küste ins Universum. Dort hatten sie Gelegenheit, die von Mercedes-Benz ins Leben gerufene Ausstellung „EY ALTER – Du kannst Dich mal kennenlernen“ zum Umgang mit dem Altern im eigenen Leben und über den demografischen Wandel in der Wirtschaft zu besuchen sowie einiges über die Demografie-Arbeit des Autokonzerns zu erfahren. Danach folgte eine spannende Diskussion zum Umgang mit dem demografischen Wandel im Arbeitsalltag bei Mercedes-Benz und anderen Unternehmen.

Heino Niederhausen, Personalleiter des Bremer Mercedes-Werks, berichtete, dass es nicht leicht gewesen sei, Mercedes-Chef Dieter Zetsche von der Ausstellung und den mit ihr anfallenden Kosten zu überzeugen. Letztlich sei es eine einzige Frage gewesen, die Zetsche letztlich umgestimmt habe. Diese Frage wird auch den Besuchern der Ausstellung gleich am Eingang gestellt. Sie lautet: „Wie fühlst du dich – alt oder jung?“ Je nach Antwort betritt man die Ausstellung durch einen Gang, in dem man beschimpft und mit Vorurteilen konfrontiert wird.

„Vorurteile über Alte sind gefährlich“

Forscher Jan Oltmanns, der die Ausstellung wissenschaftlich begleitet hat, warnte die Gäste: „Vorurteile über Alte sind gefährlich. In einem Versuch ließen sie die Leistung älterer Mitarbeiter abfallen.“ Er präsentierte im Gegensatz dazu Ergebnisse, die zeigten, dass auch im hohen Alter fast alles möglich ist. Die Ausstellung schaltet die Sicht auf Alter als Defizit aus und zeigt ein individuelles Alterskonzept.

Die Diskussion mit Firmen- und Gewerkschaftsvertretern zeigte dann, dass sich diese Essenz schwer in den Arbeitsalltag der Fabriken integrieren lässt. Besonders gut sieht es bei Mercedes-Benz aus. Dort wurde bereits in vier Werken geforscht, der Ist-Zustand erfasst, und es wurden Ziele gefunden. Eine Million Euro fließt in Verbesserungen der Ergonomie. Vier Personen arbeiten Vollzeit zum Thema Demografie.

Michael Peters, Betriebsratsvorsitzender bei Mercedes in Bremen, hat ein ganz besonderes Herzensanliegen. „Ich möchte, dass die Anlagen so gebaut werden, dass sie zur Belegschaft passen. Das ist besser, als sie später zu rehumanisieren“, so Peters.

Konflikte in Betrieben

Der IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken betonte, dass es nur dann Sinn mache, mit den Leuten über ihre Fähigkeiten im Alter zu diskutieren, wenn weitere Schritte im Betrieb folgten. „Dafür ist es nötig, dass die Mitarbeiter gehört werden. Das verlangt Mitbestimmung und auch Geld für Investitionen“, sagte Geiken. „Da wird es bei vielen Firmen zu Auseinandersetzungen kommen.“

Auch Heino Niederhausen berichtete von Konflikten, die durch die Versuche, mit dem demografischen Wandel umzugehen, entstünden. „Wir haben 200 Leute auf Stellen für eingeschränkte Mitarbeiter gebracht. Damit haben wir die Zahl verdoppelt. Das Alter spielt dabei keine Rolle“, sagte Niederhausen. „Dafür mussten gesunde Mitarbeiter diese Stellen verlassen.“

Klaus Hering, Betriebsrat bei ArcelorMittal, berichtete, dass es schwierig sei, junge Mitarbeiter zu halten. Stattdessen altere die Stammbelegschaft und gehe in Altersteilzeit. Ältere würden auch nicht mehr die Nachtschicht übernehmen wollen.