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Deutlicher Mitgliederzuwachs IG Metall in Bremen wieder im Trend

08.01.2016, 21:03 Uhr

Die IG Metall Bremen hatte beim Neujahrsempfang Grund zu feiern. Noch nie kamen so viele Neumitglieder wie 2015. Sogar der Bundesvorsitzende der IG Metall war zu Besuch.

Mehrere hundert Besucher kamen gestern zum Neujahrsempfang der IG Metall in das Bremer DGB-Haus. Es gab Grünkohl – und Grund zu feiern: „2015 war unser erfolgreichstes Jahr. Wir hatten über 2600 Neuaufnahmen, so viele, wie noch nie“, sagte Volker Stahmann, Geschäftsführer der IG Metall Bremen. „Nachdem wir 2011 mit 26100 Mitgliedern auf dem Tiefpunkt waren, haben wir heute wieder über 29.000 Mitglieder, davon sind 4500 jünger als 27 Jahre.“

Kurz darauf lobte Stahmann weitere Erfolge. „Im Bereich Rechtsschutz haben wir 3.6 Millionen Euro für unsere Kollegen erstritten, davon 3,2 Millionen im Bereich Arbeitsrecht und 400.000 im Bereich Sozialrecht“, so Stahmann.

Der Gewerkschaftschef betonte, dass die IG Metall in Bremen, dem Stadtstaat der kurzen Wege, einen sehr direkten Draht zur Politik habe. Sie fungiere als ein Vorbild für die Bundesgewerkschaft. „Die Bremer Geschäftsstelle der IG Metall ist einzigartig. In ihr sind Automobilbau, Luft und Raumfahrt, Stahl, das Handwerk und alle Zulieferbetriebe vertreten. Wir haben hier in Bremen alle Bereiche der IG Metall“, hob Stahmann hervor.

Zur Feier eines derart erfolgreichen Jahres kam dann auch hoher Besuch. Jörg Hofmann, Bundesvorsitzender der IG Metall, war ebenfalls zu Gast. Auch er berichtete von einem seit Jahren stabilen Trendwechsel hin zu den Gewerkschaften. Er äußerte zwei Neujahrswünsche, die ihm besonders schwer auf dem Herzen lägen. „Es wäre toll, wenn es der Politik, den Arbeitgebern und den Gewerkschaften Ende des Jahres gelungen wäre, den Tausenden, die zu uns kommen, eine Perspektive zu geben“, so der erste Wunsch des Bundesvorsitzenden.

Eng mit dem Flüchtlingszustrom verbunden war auch sein zweiter Wunsch. „Ich wünsche mir, dass Ende des Jahres darauf verweisen können, dass rechtsextreme Parteien wie die AfD in deutschen Parlamenten keine Chance haben“, sagte Hofmann. „Der DGB hat in der letzten Woche ein Bündnis ins Leben gerufen, dass dafür sorgen soll, dass Artikel 1 unseres Grundgesetzes auch in den Betrieben für jeden gilt.“ Genauso wie sein Vorredner Stahmann machte auch Hofmann die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt als eines der großen Themen für die Gewerkschaftsarbeit aus. „Arbeitsplätze müssen zu Lernorten werden. Das Thema ,Lebenslanges Lernen‘ muss raus aus den Sonntagsreden und rein in die Arbeitswelt“, sagte Hofmann.

Eines der großen politischen Themen der IG Metall werde auch in Zukunft die Arbeitszeit sein, so Hofmann weiter. Er prangerte 1,4 Milliarden unbezahlte Überstunden im vergangenen Jahr in Deutschland an. Der Flexibilisierung müssten zudem Grenzen gesetzt werden. „Wir wissen aus Umfragen, dass die Arbeitnehmer bereit sind, flexiblere Arbeitszeiten zu akzeptieren, wenn ihnen ein Ausgleich geboten wird.“

Weiterhin forderte Hofmann, dass auch Werkverträge eine Tarifbindung brauchen. In vielen Betrieben gäbe es eine Klassengesellschaft. Die Mitbestimmung würde so unterlaufen. Dieser kritische Punkt würde auch in einem aktuellen Papier aus dem Bundesarbeitsministerium ausgelassen.