Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Erster Spatenstich am City Gate Baustart für Hochhäuser vor dem Hauptbahnhof

26.08.2015, 23:17 Uhr

Architekt Max Dudler machte beim ersten Spatenstich für das City Gate Bremen mit. Der Bahnhofsbereich soll schöner und lebendiger werden. Mehrere Dutzend Demonstranten sahen das aber anders.

Der Bau des City Gate Bremen, auch bekannt als die umstrittenen Dudler-Hochhäuser am Hauptbahnhof, hat begonnen. Gestern machten Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), Bausenator Joachim Lohse (Grüne), Treuhänder Achim Griese und der Architekt Max Dudler den ersten Spatenstich.

Zwei Hochhäuser mit sieben Stockwerken und drei unterirdischen Geschossen sollen auf dem bisherigen Betonplatz zwischen ZOB und Hochstraße vor dem Hauptbahnhof entstehen. Sie werden 24 Meter hoch und 100 Millionen Euro teuer. Dazwischen soll eine Passage die Angereisten vom Bremer Hauptbahnhof zur Stadt leiten. In die Häuser kommen Büro und Geschäftsflächen sowie Parkplätze für Autos. Der Entwurf stammt von dem bekannten Architekten Max Dudler, der sich nun um die Erweiterung des Bundesratsgebäudes in Berlin kümmern wird.

„Wunde besteht seit Zweitem Weltkrieg“

Bürgermeister Sieling und auch Bausenator Lohse betonten, wie froh sie über den Baubeginn seien. „Das Thema beschäftigte die Bürgerschaft schon, als ich 1995 dazugekommen bin“, sagte Sieling. „Wir haben es mit einer seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden städtebaulichen Wunde zu tun.“

Sieling, selbst gebürtiger Niedersachse, betonte, dass er diesen Eindruck bereits hatte, als er zum ersten Mal mit dem Zug in Bremen ankam. „Wenn man aus dem Bahnhof kommt, sieht man zunächst die Hochstraße und fragt sich, wie es da weitergeht. Man wird nicht wirklich in die Stadt geleitet“, so Sieling.

Max Dudler sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die geplanten zwei Hochhäuser leicht gotische Züge haben werden. „Sie werden nach obenhin etwas schmaler und unterstützen die Leute seicht bei der Orientierung“, so der Architekt Dudler. „So eine Leitwirkung ist heute in europäischen Metropolen Standard. Bahnhöfe sind immer sehr belebte Orte, von und zu denen die Ankommenden geführt werden müssen.“

„Man kann nie alle glücklich machen“

Dudler betonte, sich den Bürgerforen zum City Gate immer gestellt zu haben. „Architektur hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kunst, sie verlangt einen gewissen Aneignungsprozess. Darum ist es gut, sich bei den Planungen miteinander auszutauschen“, sagte Dudler. „Man kann aber nie alle glücklich machen.“

Dieses zeigte sich während der Veranstaltung an mehreren Dutzend Demonstranten, die sich mit Schildern, Megafon und Trillerpfeifen vor dem abgezäunten Baugelände versammelt hatten. „Die Bürgerinteressen sind kein Stück berücksichtigt worden“, so der Demonstrant Jan Hövener. „Die Regierenden haben uns gesagt, beantragt doch einen Volksentscheid, wenn ihr nicht zufrieden seid. Als wir den vor fünf Jahren machen wollten, haben sie uns gesagt, ihr hättet vor zehn Jahren kommen müssen. Da wurde der Verkauf der Grundstücke durchgewunken. Dafür waren 30 Millionen Euro eingeplant. In die Kasse kamen dann nur sechs.“ Einen ergebnisoffenen Diskussionsprozess mit den Bürgern habe es nie gegeben.

7000 Unterschriften gegen das Bauprojekt

Olaf Brandstätter fürchtet eine Verschandelung statt einer Verschönerung des Bahnhofsbereichs. „Die Hochhäuser werden den Blick auf den Bahnhof verstellen. So sollten wir mit dem wertvollsten Bremer Denkmal nicht umgehen“, beklagte Brandstätter. „2014 hat bereits der Immobilienspezialist Klaus Hübotter in den Medien erklärt, dass ein solches Gebäude da nicht hinpasst, weil es den Blick auf die Stadt verstellt.“ Die Bremer Bahnhofsinitiative hat bis heute 7000 Unterschriften gegen das City Gate gesammelt.