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Kunstwerke von Bremer Förderpreisträgern Mitten im Raum

Von Mareike Bannasch | 18.07.2016, 18:43 Uhr

Die Förderpreisträger Tobias Venditti und Esther Buttersack spielen bei ihren Kunstwerken „Untertöne“ und „Souterain“ in der Städtischen Galerie mit den Dimensionen.

Schrilles Pfeifen schrillt durch den kleinen Galerieraum, wird immer lauter, bevor es schließlich abebbt – und nur noch Stille zurückbleibt. Endlich. Doch dem Besucher ist nur ein kurzer Moment ohne Misstöne vergönnt, denn schon bald ist das Quietschen wieder da. Woher die Töne kommen? Keine Ahnung, zumindest für den Moment. Denn es dauert eine ganze Weile, bis der Besucher die Mechanik hinter der Installation von Tobias Venditti durchschaut hat.

Im Jahr 2014 gewann er den Bremer Förderpreis für Bildende Kunst und damit auch eine Ausstellung in der Städtischen Galerie. Dort ist seine Arbeit „Untertöne“ nun in Korrespondenz mit dem Werk einer anderen Preisträgerin, Esther Buttersack, zu sehen. Buttersack hatte sich den Sieg im Jahr 2012 gesichert und kommt damit ebenfalls in den Genuss einer Ausstellung.

Ein System aus Luft und Wasser

Doch zurück zu Venditti, der mit seiner dritten Schau fast so etwas wie ein alter Bekannter in der Städtischen Galerie ist und wieder einmal massiv in den Raum eingreift. Ausgehend von Dialogen und ihren gelegentlichen Misstönen hat der Künstler drei identische Installationen an den Wänden postiert. Angetrieben von langen Seilen, Rollen und Drehscheiben setzen sich überdimensionale Wasserwaagen in Bewegung, die wiederum Luftpumpen aus wassergefüllten Glasröhren in Schwung bringen. Kurzum, der Betrachter sieht sich drei imposanten Luft-Wasser-Pumpen gegenüber, die jeweils mit einem Ventil und zwei Kupferohren versehen sind. Ein sich stetig bewegendes System, das wie ein Gespräch vor sich hin plätschert – ab und an von schrillen Misstönen aus den zu Pfeifen mutierenden Kupferrohren unterbrochen.

Faszinierende Interferenzen

Ein eindrucksvoller Dialog, dessen monotone Bewegungen sich auch im zweiten Teil der Arbeit widerspiegeln. Dort hat Tobias Vendetti die beiden Teile einer temporären Wand einander gegenübergestellt und rechteckig aufgeschnitten. Im Ausschnitt bekommt man nun aber nicht einfach ein Loch zu sehen, nein, dort spannt sich grauer Gazestoff – und aus weißen Wänden werden Bildschirme.

Bildschirme, auf denen so einiges los ist. Allerdings, ohne dass sich das Ganze genauer erkennen ließe, denn Venditti hat jeweils zwei Stoffe hintereinander gehängt und mit einem kleinen Motor verbunden. So entstehen irritierende und zugleich faszinierende Interferenzen, die zwar herausfordern und anstrengend sind, denen man sich aber kaum zu entziehen vermag. Und damit wären wir dann wieder beim Dialog, der für unser tägliches Leben unabdingbar ist – so anstrengend und ohrenbetäbend er manches Mal auch ausfallen mag.

Zusammenspiel mit den Dimensionen

Während Tobias Venditti monatelang an Konstruktion und Umsetzung seiner Installation getüftelt hat, lebt Esther Buttersacks Arbeit vom Moment. „Souterrain“ nennt sich das riesige graue Gebilde, das zwar den Raum dominiert, zugleich aber luftig und fragil daherkommt. Letzteres verdankt die Plastik dabei vor allem ihren Materialien: Auf einem Fundament aus Holzbalken auf Rädern montiert Buttersack ein Konstrukt aus Kaninchendraht, das an manchen Stellen mit weißen und grauen Papierstreifen beklebt ist.

Ein Gebilde voller Freiräume und Ausstülpungen, das im krassen Gegensatz zu den kleinformatigen Collagen der Künstlerin steht und zunächst wie ein riesiges Krakentier anmutet, nur um plötzlich wie ein Hügel mit Armen auszusehen. Was genau zu sehen ist, ändert sich ständig, jedoch, ohne dass die Plastik in Bewegung ist. Was man sieht, hängt vom Zusammenspiel mit den Dimensionen des Raumes ab – und den eigenen Assoziationen.

Sicher ist nur eines: Dass die Arbeit so nie wieder zu sehen sein wird. Da sie den Raum nicht als Ganzes verlassen kann, wird sie nach dem Ende der Ausstellung zerlegt. Und damit gibt es dann doch wieder eine Parallele zur imposanten Installation von Tobias Venditti. Aller Gegensätze zum Trotz. Die Ausstellungen laufen noch bis zum 28. August in der Städtischen Galerie Bremen.