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Luft- und Raumfahrtgeschichte Edition Falbenberg veröffentlicht Sammelband

11.11.2015, 20:59 Uhr

In einem aufwendigen Band hat die noch junge Edition Falkenberg eine ausführliche Betrachtung zu 100 Jahren Luft- und Raumfahrtgeschichte in Bremen herausgegeben. Auch Kenner dürften Neues finden.

Die 2012 gegründete Edition Falkenberg hat mit dem fast 500 Seiten starken Band „Ein Jahrhundert Luft- und Raumfahrt in Bremen – Von den frühesten Flugversuchen zum Airbus und zur Ariane“ mit 15 Beiträgen ein aufwendig gestaltetes Werk mit Einblicken in alle Facetten der Geschichte dieses international bedeutenden Bereichs der Bremer Industrie auf den Markt gebracht. Insgesamt 15 Autoren haben an dem aufwendig gestalteten und mit 632 Abbildungen illustrierten Buch gearbeitet.

Aufhebung des Flugverbotes

Darin geht es um Technik und ihre Entwickler, die immer ausgiebig im historischen Kontext verortet und mit ihren Motivationen dargestellt werden. Da sind zum Beispiel Bremer Segelflieger, die gegen das von den Alliierten ausgesprochene Verbot des Besitzes und Betriebs von Flugzeugen protestieren und letztlich dafür sorgen, dass sich der Bremer Senat als erstes Landesparlament für eine Aufhebung des Flugverbotes einsetzt.

Da wäre zudem der Blick auf die Antriebsspezialisten in der 1961 reaktivierten Bremer Raumfahrtindustrie, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 15 Jahre lang auf ganz unterschiedlichen Gebieten arbeiten mussten, bevor sie sich dann wieder ihrer Hauptprofession zuwenden konnten. Andere Raketenprofis betrieben ihre Leidenschaft als Hobby und gründeten die Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik als Verein, aus dem später die Deutsche Raketengesellschaft hervorgehen sollte.

Bestechungen durch Lookhead

Auch die Lockheed F-104 Starfighter, auch verschrien als „Witwenmacher“, hat einiges mit der Bremer Luftfahrtindustrie zu tun. Von den 915 Maschinen der Bundeswehr wurden nur 115 aus den USA importiert, die restlichen 800 wurden in Lizenz in Deutschland und den Niederlanden gebaut, auch unter Mitarbeit der Firma Focke-Wulf in Bremen. Autor Claas Siano analysiert hierzu akribisch die umstrittene Anschaffung des Unglücksjets vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts, die Auswahl des passenden Typs durch erfolgreiche Kampfflieger des Zweiten Weltkrieges und die vielen Entscheidungsschwierigkeiten des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß (CSU). 217 deutsche Starfighter stürzten später ab, wodurch 116 Berufssoldaten den Tod fanden, 30 weitere wurden schwer verletzt.

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Nicht nur diese Bilanz, sondern auch nachgewiesene Bestechungen anderer Regierungen durch den Hersteller Lookheed brachten auch Strauß unter Bestechungsverdacht. Beweise gab es hierfür nie.

Ein komplexes und sehr aufwendig gestaltetes Buch, in dem auch versierte Kenner der Bremer Luft- und Raumfahrtgeschichte noch auf Neues stoßen, das mit 98 Euro allerdings auch seinen Preis hat. Herausgeber des Bandes sind Peter Kuckuk, Hartmut Pophanken und Klaus Schalipp.