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Modell von BSAG und Jobcenter Kooperation als Vorbild für Bremer Firmen

Von Martin Kowalewski | 10.02.2016, 19:59 Uhr

Seit 2007 arbeiten Jobcenter und Bremer Straßenbahn AG (BSAG) bei der Qualifizierung von Arbeitslosen zusammen. Nun sollen auch andere Firmen davon profitieren.

Grundlage des Qualifizierungsmodells von Jobcenter und BSAG ist ein individuelles und umfassendes Ausbildungs- und Betreuungskonzept durch firmeneigenes Fachpersonal. Gestern wurde das Konzept Personalleitern und Vorständen mehrerer Bremer Großunternehmen sowie Vertretern von Handelskammer und DGB in einem Workshop vorgestellt.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung vom Bremer Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), der auf Nachahmer dieser Zusammenarbeit hofft. „ Wenn wir in der Stadt mehr als 28000 Arbeitslose haben und gleichzeitig fast 4500 Stellen unbesetzt sind, ist es unsere Aufgabe, mehr Bremerinnen und Bremer in Arbeit und Qualifizierung zu bringen“, so der Bürgermeister. Die Zusammenarbeit zwischen Jobcenter und BSAG könne da Vorbild sein. „Wenn es gelingt, die Lücken in den Unternehmen mit motivierten und ausgebildeten Arbeitssuchenden zu schließen, gewinnen alle Beteiligten.“ Der Bürgermeister verwies darauf, dass es unter den Bremer Arbeitslosen einen Anteil von 70 Prozent an Ungelernten gibt.

Auch Helmut Westkamp, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Bremen zieht eine sehr positive Bilanz. „Das Ergebnis der langjährigen, produktiven Zusammenarbeit ist, dass die BSAG benötigte Fachkräfte hat und das Jobcenter weniger Leute im Leistungsbezug“, sagt Westkamp. „Investitionen in Bildung und Zusammenarbeit von Wirtschaft und Jobcenter erzeugen eine Win-Win-Situation.“

Michael Hünig, Vorstand und Arbeitsdirektor der BSAG, berichtete von positiven Erfahrungen bei der Integration Langzeitarbeitsloser und älterer Beschäftigter. „Allerdings bedarf es für den Erfolg eines durchdachten, praxisnahen Konzeptes“, bilanziert Hünig. Die Qualifikationen, darunter der Führerschein Klasse D, würde zudem auch von anderen Arbeitgebern akzeptiert.

Bei der Fahrdienstausbildung für Langzeitarbeitslose wurden beispielsweise in zwölf Maßnahmen bisher 71 Frauen und 109 Männer geschult, darunter 98 Menschen mit Migrationshintergrund. Von den 180 Teilnehmenden des neunmonatigen Kurses sind heute 100 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, 50 weitere sind befristet beschäftigt. In einem anderen Projekt wurden 20 ältere Arbeitslose zu Fahrgastbegleitern ausgebildet. Zehn von ihnen sind noch heute im Unternehmen.