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„MS Wissenschaft“ in Bremen Ausstellungsschiff zeigt Welt der Ozeane

Von Viviane Reineking | 15.07.2016, 20:12 Uhr

Bremen Die faszinierende Welt der Meere und Ozeane zeigt derzeit das Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“. Noch bis Sonntag können Besucher in die geheimnisvolle Tiefe eintauchen – mit zum Teil moderner Technik.

Der „Schmarotzer-Stumpfnasenaal“ trägt nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, er ernährt sich auch auf spezielle Weise: Durch die Augen bohrt er sich in den Körper anderer Fische und frisst sie von innen her auf. Auf diesen und andere Bewohner der „Meere und Ozeane“ treffen Besucher des Ausstellungsschiffes „MS Wissenschaft“, das noch bis Sonntag, an der Tiefer liegt.

Zwei Drittel der Erde ist von Meer bedeckt. Es ist Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum und beeinflusst maßgeblich das Klima. Dennoch ist es noch immer zu etwa 90 Prozent unerforscht, auch wenn Wissenschaftler heute mit modernsten Technologien wie ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen und Meeresboden-Bohrgeräten auf Entdeckungsreise gehen.

Ausstellung über Bedeutung der Weltmeere

An Bord des 100 Meter langen Frachtschiffes ist im Wissenschaftsjahr 2016/2017 die Ausstellung „Meere und Ozeane“ zu sehen. Besucher tauchen hier ein in eine geheimnisvolle Welt, erkunden Lebensräume wie Küste, Tiefsee und Eismeer und erhalten Einblicke in die Arbeit von Forschern. Die Ausstellung zeigt, welche Bedeutung die Weltmeere für das Klima haben, welche Rolle sie als Rohstoffquelle spielen und wie sie sich schützen lassen.

Gefahr durch Plastikmüll

Denn die Ozeane sind bedroht, nicht nur durch den steigenden Ausstoß von Kohlenstoffdioxid. Lisa Battermann (15 Jahre) und ihre Schwester Paula (17) staunen. „Ich hätte nie gedacht, dass es 450 Jahre dauert, bis eine Plastikflasche im Meer abgebaut ist“, sagt Paula. Am Ausstellungsexponat „Ein Meer aus Plastik scannen sie verschiedene Verpackungen wie eine Plastiktüte und eine Shampooflasche. Während es sechs Wochen braucht, um eine Zeitung im Meer abzubauen, enthalten viele Kosmetikartikel Mikroplastiken – deren Abbauzeit ist unbekannt bis unendlich. „Es bilden sich bereits riesige Müllteppiche auf den Ozeanen, die größer sind als Deutschland“, weiß Dominik Auch, der auf dem Ausstellungsschiff als „Lotse“ Fragen beantwortet. „Durch die benachbarte ,Breminale‘ kommen viele Gäste zu uns, vor allem zahlreiche Familien“, so Auch, der in Hamburg Marine Ökosysteme und Fischereiwissenschaften studiert.

Mit moderner Technik das Meer erkunden

Insgesamt sechs Bremer Institute zeigen auf dem Schiff, woran sie arbeiten. Mithilfe einer „Virtual-Reality“-Brille des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) etwa tauchen Besucher in ein tropisches Korallenriff ein und erhalten Infos zu Dynamitfischerei und Korallenbleiche. Im Tiefseekino des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (Marum) lernen sie Bewohner der Tiefsee kennen. Das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie zeigt den Roboter „Lancelot“, der als eine Art „Hilfswissenschaftler“ den Meeresboden untersucht.

„Eine faszinierende Welt“

Der achtjährige Bertram Smith Pedersen aus Dänemark macht mit seiner Mutter Mette gerade Urlaub in Bremen und versucht am Exponat der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) den stabil im Wasser liegenden Miniatur-Seenotrettungskreuzer zum Kentern zu bringen, der sich jedoch – wie die sturmerprobten Originale – innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder aufrichtet.

Das Deutsche Schiffahrtsmuseum zeigt die Entwicklung der Handelssschiffe von der mittelalterlichen Kogge der Hanse mit einer Ladekapazität von 80 Tonnen bis zum mittelgroßen Containerschiff mit 640 Tonnen. Und das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut veranschaulicht den Einfluss von Arktis und Antarktis auf das Weltklima. Staunend betrachtet Tamara und Andreas Riechmann mit ihrer Tochter Fiona aus Oyten die ausgestellten Bewohner der Tiefsee. „Eine unbekannte, faszinierende Welt“, finden die drei, und setzen ihre Entdeckungsreise fort. Insgesamt 30 Exponate hat die sehenswerte wie abwechslungsreiche Ausstellung auf dem Frachter zu bieten. Zu sehen ist sie noch heute und morgen, jeweils von 10 bis 19 Uhr, der Eintritt ist frei.