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Pionier der Bremer Luftfahrt Heinrich Focke - der Mann mit dem eigenen Windkanal

16.07.2015, 20:28 Uhr

Mit der Sonderaustellung „Fockes Traum vom Fliegen. Die Erfindung des Hubschraubers in Bremen“ würdigt das Focke-Museum Heinrich Focke, der den Grundstein für den Luftfahrtstandort Bremen legte.

Bremen. Die Ausstellung, die heute Abend um 18 Uhr eröffnet wird, stellt anhand von Schaubildern und beeindruckenden Exponaten die Konstruktionen des 1890 geborenen Bremer Luftfahrtpioniers Heinrich Focke vor. Focke, Sohn des Museumsgründers Johann Focke, entwickelte zusammen mit seinem Partner, dem 1927 verunglückten Georg Wulf, mehrere Flugzeuge – darunter die A7, das als erstes in Bremen gebautes Flugzeug die Luftverkehrszulassung erhielt.

Da sich Focke mehr für Forschung als für serienreife Technik interessiert hat, stellten ihn die Nazis später kalt. Doch Focke forschte weiter und entwickelte den ersten lenkfähigen Hubschrauber mit stabilen Flugeigenschaften, den FW 61. Dieser sieht allerdings ungewöhnlich für einen Drehflügler aus: Statt über Flügel verfügt er über zwei Gestelle, an denen sich die beiden Hauptrotoren befinden. Er hat auch keinen Heckrotor, sondern vielmehr das Heck eines Flugzeugs. Dazu verfügt der FW 61 über Räder und über einen Antriebspropeller an der Vorderseite. In der Ausstellung ist neben einem Modell der rechte Rotorkopf des FW 61 zu sehen. An Hebeln können die Gäste die Neigung der Rotorblätter verstellen.

Der FW 61 wurde von Focke bereits in einem Windkanal getestet und absolvierte seinen Erstflug am 26. Juni 1936. Die Nazis nutzten das beeindruckende Fluggerät für Propagandazwecke. So flog der FW 61 auf dem Nürnberger Parteitag 1938. Auf dem Typ basierte der erste Serienhubschrauber FA 223 „Drache“.

Von der Bachstelze zu den Kolibris

Die von Focke konstruierte „Bachstelze“ war für den Einsatz auf U-Booten konzipiert. Zusammengefaltet passte das motorlose Fluggerät in ein Torpedorohr. Der Hubschrauber wurde vom Boot ins Schlepptau genommen; die Fahrtgeschwindigkeit reichte aus, um den Rotor zum Drehen zu bringen und die „Bachstelze“ zwecks Aufklärung in eine Höhe von 150 Metern aufsteigen zu lassen. „Entdeckte der Pilot dann einen Feind, konnte es passieren, dass das U-Boot die ,Bachstelze‘ einfach abkoppelte, abtauchte und den Piloten seinem Schicksal überließ. Dabei sind Piloten ums Leben gekommen“, berichtet Jan Werquelt vom Focke Museum.

1955 traf Focke auf den Fahrzeugproduzenten Carl Borgward. Dort entwickelte er die Hubschrauber „Kolibri I und II“. Diese sollten Serienmodelle für wohlhabende Kunden werden, doch die Borgward-Pleite kam dazwischen. Dennoch war Fockes Pioniergeist noch immer nicht erschöpft. In den frühen 60ern baute er ein privates Forschungslabor mit eigenem Windkanal auf. Die Sonderschau zeigt ein Modell dieses Labors und daneben den Sessel des Luftfahrtpioniers. Die Ausstellung ist bis zum 13. September zu sehen.