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Rettungseinsätze in Bremen Rettungsdienst wird in Bremen immer häufiger gerufen

Von Martin Kowalewski | 25.02.2016, 21:46 Uhr

Die Zahl der Rettungseinsätze in Bremen steigt rapide. Ein Hauptgrund: Die Bürger wählen schon wegen Kleinigkeiten die 112.

Die Bremer Feuerwehr und die weiteren Rettungsdienstleister ächzen unter einer ständig ansteigenden Zahl von Einsätzen. Zum einen ist die zweifellos eine Folge der Alterung der Bevölkerung. „Die demografische Entwicklung zeigt sich in unseren Einsatzzahlen. In den Vierteln mit vielen älteren Bewohnern treten deutlich mehr Einsätze auf als in den Vierteln, wo die jungen Familien wohnen“, berichtet Feuerwehrsprecher Michael Richartz.

Noch gravierender ist nach Meinung von Richartz aber ein weiterer, bundesweit zu beobachtender Faktor: Die Hemmschwelle, den Rettungsdienst anzurufen, sinkt. „Leute rufen an wegen eingewachsener Zehennägel, wegen Kopfschmerzen oder weil sie sich in den Finger geschnitten haben“, sagt Richartz. „Der Respekt vor der Notrufnummer ist irgendwie verloren gegangen.“

Zudem seien die Bürger im Vergleich zu früher aber auch hilfloser geworden und schneller überfordert. „Meine Mutter hat mich als Kind mal mit einem Schlüsselbeinbruch auf dem Fahrrad ins Krankenhaus gebracht. Das würde ich natürlich heute von keinem erwarten“, erzählt Richartz. Weniger ernste Fälle würde man an den ärztlichen Notdienst verweisen. Teilweise gebe dieser aber wieder einige Fälle an den Rettungsdienst zurück. Für die Feuerwehr sind die Folgerungen klar. „Wir müssen mehr Rettungsfahrzeuge vorhalten. Demnächst bekommen wir wieder zwei neue“, sagt Richartz.

Linearer Anstieg der Einsatzzahlen

Die Feuerwehr Bremen beobachte seit 2007 einen linearen Anstieg der Einsatzzahlen. Diesen Trend beobachtet auch das Bremer Innenressort mit einiger Sorge. Allein der Blick auf die vergangenen drei Jahre verdeutlicht die Stärke dieser Entwicklung. So gab es 2013 noch 62545 Rettungseinsätze, im Folgejahr waren es schon 66906. Ein rapider Anstieg wurde 2015 mit stolzen 73327 Einsätzen verzeichnet. Im Innenressort und bei der Feuerwehr geht man davon aus, dass sich die Entwicklung fortsetzen wird. Das Innenressort verhandelt derweil mit den Krankenkassen und dem Verband der Ersatzkassen um mehr Geld für Rettungspersonal und Einsatzmittel. Zudem werde der kassenärztliche Notdienst in Medien beworben. Außerdem verweist das Innenressort auf die im vergangenen Herbst im Krankenhaus St.-Joseph-Stift eröffnete Bereitschaftsdienstzentrale der Kassenärztlichen Vereinigung.

Anruf bei kassenärztlichem Notdienst

Tatsächlich scheint die Nummer des kassenärztlichen Notdiensts 116117 vielen Bürgern nicht bekannt zu sein. Diese Einschätzung hat man nicht nur bei der Feuerwehr, deren Rettungsleitzentrale auch auf die Nummer verweist, wenn offensichtlich keine akut bedrohliche Situation vorliegt, sondern auch beim Arbeiter Samariter Bund (ASB) in Bremen, der ebenfalls Rettungsdienstleistungen erbringt. Auf dem Land sei sogar vielen älteren Bürgern nicht einmal die Notruf-Nummer 112 bekannt, so ASB-Sprecher Julian Thies. Er verweist auf eine ganze Menge verfügbarer Notrufnummern, wie etwa den Giftnotruf. „Diese Nummern werden auch in allen Erste-Hilfe-Kursen thematisiert. Das ist einer von vielen Gründen, mal wieder einen solchen Kurs zu machen.“