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Smartphone-App warnt vor Gefahren Bremen: „Nina“ ersetzt die Sirene

30.10.2015, 19:13 Uhr

Früher warnten Sirenen vor der Flut und bei Bränden und sollten bei Atomangriffen die Bevölkerung alarmieren. Heute sind sie größtenteils demontiert. Stattdessen gibt es die Smartphone-App „Nina“.

„Nina“ ist nicht nur ein weiblicher Vorname, sondern steht auch als Abkürzung für „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“. Eingesetzt auf Smartphones kann die Software des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz helfen, die Bevölkerung in Gefahrenlagen zu informieren und mit Verhaltenstipps zu versorgen. Gestern präsentierte der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) die App zusammen mit Vertretern der Bremer Feuerwehr.

Nicht nur für das finanzklamme Bundesland, sondern auch für die Nutzer ist die App mit keinen Kosten verbunden. Mäurers Sprecherin Rose Gerdts-Schiffler brachte es gleich zu Beginn der Präsentation auf den Punkt: „Wir wollen heute richtig die Werbetrommel rühren. Es wäre gut, wenn sich möglichst viele Menschen in Bremen und umzu die kostenlose App auf ihr Smartphone laden“, sagte Gerdt-Schiffler. Nach Einschätzung des Feuerwehrsprechers Michael Richartz sind jährlich fünf bis zehn Ereignisse zu erwarten, die einen Alarm der App rechtfertigen. Darüber hinaus können auch Unwetterwarnungen und Wasserpegel abgerufen werden. Mit Übungs-Alarmen sollen die Nutzer der App aber nicht belästigt werden. „Die App muss ruhen. Wenn sie dauernd Alarm schlägt, wird sie nicht mehr ernst genommen“, sagte Michael Richartz.

Die Software überträgt Alarm-Meldungen bei Großbränden, Hochwasserkatastrophen und Ähnlichem. Das passiert natürlich in Textform, doch als Hinweiston kann die App ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges wiederaufleben lassen: das Heulen der Sirenen, sogar in verschiedenen Tonlagen. 82000 dieser Sirenen gab es früher in Deutschland, um 1992 wurde der größten Teil von ihnen demontiert.

Lange Zeit sollten Fernseh- und Radiosender im Notfall die Alarmhinweise ausstrahlen. Dies ist heute allerdings nicht mehr zeitgemäß: „Es gab schon Zeiten, in denen mehr ferngesehen wurde“, sagte der Innensenator. „Den Brand bei Harms am Wall habe ich dadurch bemerkt, dass ich das Fenster aufgemacht habe und der Brandgeruch reinzog.“

Mehr als die Hälfte der Deutschen verfügen heute über ein Smartphone – „Nina“ verfügt so über eine potenziell enorme Reichweite. Seit 2012 ist das System „Mowas“ (Modulares Warnsystem) mit eigenen Sendestationen und Satelliteneinsatz zur Verbreitung von Massenwarnungen eingerichtet, dessen Meldungen an „Nina“ und zudem an verschiedenste Endgeräte weitergeleitet werden.

Das Risiko, dass der App-Alarm viele Schaulustige zum Ort des Geschehens locken könnte, sieht man bei der Bremer Feuerwehr gelassen. „Jede Information kann missbraucht werden. Wenn so etwas wie der Brand am Wall passiert, ist eh irgendjemand da, der es dann auf Facebook postet“, so Amtsleiter Karl-Heinz-Knorr. Die Sendeanlagen in Bremen reichen über Delmenhorst hinaus bis etwa nach Hude und Ganderkesee.