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Sozialressort sucht Alternativen Flüchtlinge schlafen in Zelten

17.06.2015, 13:21 Uhr

Überraschend wurde in der Nacht auf Samstag ein Großzelt für jugendliche Flüchtlinge auf dem Stadtwerder errichtet. Weitere Zelte werden folgen, und das Sozialressort sucht nach wie vor nach Immobilien.

Bremen. Plötzlich ging alles schnell. Noch Freitagmittag erklärte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), dass man auf die Unterbringung von Flüchtlingen in Zelten möglichst verzichten wolle, dies aber kein Tabu mehr sei. In der Nacht zum Samstag wurde auf dem Stadtwerder ein Zelt errichtet. 35 Jugendliche sollen in den kommenden Tagen dort einziehen.

Während der Erklärung sei man davon ausgegangen, dass keine passenden Zelte verfügbar seien, sagte Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts. Am Nachmittag habe man dann welche gefunden. „Wir wollten nicht unnötig für Aufruhr sorgen, wenn noch gar keine Zelte da sind.“ Aus diesem Grund wollte Schneider auch keine potenziellen Orte für die Aufstellung weiterer Zelte benennen.

Plätze für Großzelte werden aber aktiv gesucht. „Wir prüfen mehrere Standorte, vor allem die Böden. Die Vorbereitungen für die Errichtung weiterer Zelte laufen konkret“, so Schneider. Ob passende Zelte verfügbar seien, sei unsicher. „Aus einigen Quellen hören wir, dass keine zu haben sind, andere sprechen von sofortiger Lieferbarkeit“, sagte Schneider.

Aufgrund gestiegener Flüchtlingszahlen ist die Lage bei Flüchtlingsunterkünften in Bremen seit Längerem angespannt. Als wegen massiven Schädlingsbefalls in der vergangenen Woche die Schließung der Zentralen Aufnahmestelle und eines Heimes für jugendliche Flüchtlinge in der Steinsetzer Straße angeordnet wurde, waren die verfügbaren Ressourcen erschöpft. In den kommenden zwei Wochen werden 200 Jugendliche und 30 Erwachsene den unter anderem von Bettwanzen befallenen Standort verlassen. Die Erwachsenen ziehen ins Bundeswehrhochhaus, 35 Jugendliche kommen auf dem Stadtwerder unter. Für die anderen Jugendlichen wird nach einer Lösung gesucht. Sechs Wochen sollen die Arbeiten in der Steinsetzer Straße dauern.

Laut Medienberichten wird mit dem Land Niedersachsen über die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge verhandelt. Diese Berichte relativierte Schneider: „Geplant sind Ferienmaßnahmen außerhalb Bremens. Die müssen nicht unbedingt in Niedersachsen sein. Es handelt sich um Urlaube für Jugendliche mit pädagogischer Betreuung.“ So könnten die Jugendlichen aus den beengten Verhältnissen herauskommen.

Eine Entspannung der Lage ist im Herbst zu erwarten. Dann werden weitere Wohngebäude für Flüchtlinge umgebaut sein. Zudem sucht das Sozialressort aktiv nach passenden Immobilien. „Alles, was ein Dach bietet, wird genutzt“, sagte Schneider. Von Januar bis Mai sei der Flüchtlingsstrom im Vergleich zum Vorjahr um 200 Prozent gestiegen. Bundesschätzungen prognostizierten ein Plus von 25 Prozent, das Bremer Sozialressort ein Plus von 100 Prozent. Über den Sommer können bis zu 800 Plätze für Erwachsene fehlen.