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Stadt will Pachtvertrag kündigen Wohnungen statt Galopprennbahn in Bremen?

11.12.2015, 20:04 Uhr

Nach einer erfolgreichen Saison 2015 kam für die Galopprennbahn der Tiefschlag. 2018 soll sie neuen Wohnungen weichen.

Am Sonntag hat der Rennverein noch einen erfolgreichen Saison-Abschluss auf der Galopprennbahn gefeiert. 51 Luftballons stiegen in den Himmel, einer für jedes Rennen der Saison. Nun droht der Rennbahn im Stadtteil Bremen-Vahr die Schließung. Grund hierfür ist nicht eine schlechte Bilanz, wie es sie vor einigen Jahren noch gab. Vielmehr will der Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) auf dem weiträumigen Areal Wohnungen bauen. Der Pachtvertrag zwischen Stadt und Rennverein soll 2017 gekündigt werden. Dann kämen 2018 die Bagger.

Einfach zu attraktiv ist das fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernte Areal, das über eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmitteln verfügt und viele Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe hat. „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Bremen braucht neue Wohnungen, und das nicht erst, seitdem so viele Flüchtlinge in die Stadt kommen“, wird Wirtschaftssenator Günthner in einschlägigen Medienberichten zitiert. 1000 neue Wohnungen für rund 2500 Menschen seien auf dem 177000 Quadratmeter großen Gelände geplant.

Dabei hat sich die Galopprennbahn unter Mithilfe eines vor zwei Jahren eingesprungenen jungen Führungsteams gerade aus der Krise gezogen. Beliefen sich die Verluste in 2012 noch auf 350000 Euro, waren es im vergangenen Jahr nur noch 20000 Euro. Noch besser ist die Bilanz für 2015: ein marginales Defizit von 5000 Euro. Hierzu haben auch Sponsoren und Veranstaltungen neben dem Rennbetrieb beigetragen. In der gerade zu Ende gegangenen Saison kamen ingesamt 11500 Zuschauer, immerhin knapp 300 mehr als im durchaus erfolgreichen Jahr 2014.

Bestürzung und Trauer machen sich beim Rennverein breit. Dennoch trägt Sprecher Frank Lenk die Situation mit Fassung. „Die Situation muss mit Verstand analysiert und bewertet werden. Das wird der Vorstand Anfang nächsten Jahres tun“, sagte Lenk. „Wir setzen darauf, dass Politik und an der Rennbahn Beteiligte ins Gespräch kommen. Wir werden in den nächsten zwei Jahren aber engagiert weiterarbeiten.“ Die Absichtserklärung des Senators läge vor, der Rennverein habe aber bislang vom Wirtschaftsressort noch keine Kündigung des Mietverhältnisses erhalten. Um abzuschätzen, ob ein Umzug an eine andere Stelle der Stadt oder des Umlands möglich und sinnvoll ist, sei es noch zu früh.

Auf Zustimmung trifft die Entscheidung dagegen im Hause des Bausenators. „Wir haben auch schon Prüfungen in diese Richtung vorgenommen, die Entscheidung lag aber beim Wirtschaftsressort“, sagte Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts.