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Steuer auf Wettbüros SPD in Bremen will illegale Wetten eindämmen

19.11.2015, 20:43 Uhr

Die Bremer SPD will eine Steuer auf Wettbüros, um die Glücksspielsucht und die Ausbreitung illegaler Wettbüros zu bekämpfen. Detlev Grass, Geschäftsführer von SWM Sportwetten-Nord, sagt, das Gegenteil werde erreicht.

BREMEN. Der Spielsucht und der zunehmenden Zahl von Wett-Etablissements will die Bremer SPD mit einer Steuer auf Wettbüros von bis zu 200 Euro monatlich pro 20 Quadratmeter begegnen. Doch wer im Internet nach Wettbüros in Bremen sucht, stößt nur auf wenige brauchbare Treffer.

„Da liegt genau das Problem“, sagt Matthias Koch, Pressesprecher der SPD-Fraktion Bremen. „In vielen Etablissements wird vorne zusammengesessen und Backgammon gespielt und hinten werden Wetten abgeschlossen.“ Es handele sich um unseriöse Wettbüros, oft würde nur ein Gerät zur Abgabe der Wetten aufgestellt. Es würden keine Wettscheine ausgestellt, mit der Praxis seriöser Anbieter habe das nicht viel zu tun.

Tatsächlich sind nach Ansicht der SPD diese Büros aber legal und illegal zugleich. „Sie sind illegal, weil sie keine Konzession haben, aber sie sind legal, weil der Staat bei Wettbüros gar keine Konzessionen vergeben darf“, sagt der Innenpolitische Sprecher der Bremer SPD-Fraktion, Sükrü Senkal. Laut Staatsvertrag vergebe der Staat die Konzessionen für Glücksspiele. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) habe aber beschlossen, dass Wettbüros nicht konzessionsfähig sind.

Gerade die zwielichtigen und unseriösen Wettbüros würden in schwierigen Stadtteilen wie Pilze aus dem Boden schießen, so Koch. „Dann ändert sich das Publikum. Ältere Stammgäste kommen dann nicht mehr. Schnell kann eine ganze Straße oder ein Quartier kippen.“ Auch die Zahl der Spielsüchtigen, meistens junge Männer, solle durch die neue Steuer reduziert werden.

Seriöse Anbieter würden ein Auge auf möglicherweise spielsüchtige Besucher haben und auch mal „Nein!“ sagen, bei Hinterzimmer-Wetten zähle nur der Profit. „Von der Steuer sind auch seriöse Unternehmen betroffen. Aber die haben einen ganz anderen Auftritt und erreichen ganz andere Gewinne“, sagt Koch.

Da kann Detlev Grass, Geschäftsführer der SWN Sportwetten-Nord, nur mit dem Kopf schütteln. Bei diesen Zahlen müsse seine Firma vier von sieben Bremer Wettbüros schließen. „Wir führen bereits jetzt fünf Prozent auf den Umsatz ab. 10000 Euro mehr Belastung im Monat schaffen wir nicht.“ Gewinnen werden seiner Meinung nach die Wettanbieter in den Hinterzimmern. „Ich weiß, wir sind ein polarisierendes Gewerbe. Es muss das legale Glücksspiel aber geben, denn das illegale ist unkontrollierbar“, sagt er. „Schon jetzt sind die Quoten bei den illegalen Anbietern besser als bei den legalen.“ Er glaubt nicht, dass Bremen die erforderlichen Kontrollen stemmen kann, die nötig wären, um den illegalen Wettanbietern den Boden zu entziehen.

Grass hat nicht den Eindruck, dass die Politik gut gearbeitet hat. „Würde man seitens der Politik ernsthaft nach einer Lösung suchen, würde man die auch finden. Das Gefühl habe ich aber nicht“, sagt Koch.

Senkal sieht die Sache positiver und ist optimistisch. „Eine solche Regelung wurde schon in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen eingeführt. Beispielsweise ging die Zahl der Wettbüros in Hagen zurück. Es gibt dort aber noch Wettbüros“, so Senkal. „Aber wir verkleinern schon die Gewinn-Marge.“