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Streiks in 18 Unternehmen IG Metall macht auch in Bremen Druck

Von Martin Kowalewski | 10.05.2016, 20:39 Uhr

3500 Personen nahmen am Dienstag, 10. Mai, an Kundgebungen der IG Metall in Bremen teil. 5400 beteiligten sich an einem Warnstreik im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen.

18 Betriebe in Bremen und vier Betriebe aus dem Umland nahmen gestern an einem von der IG Metall Bremen ausgerufenen Warnstreik vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Tarifverhandlungen teil. „Von den 5400 Warnstreikenden arbeiten allein 3000 bei Mercedes Benz in Bremen“, sagte Volker Stahmann, Geschäftsführer der IG Metall Bremen. Der Betrieb in dem Autowerk startete erst um 14 Uhr mit dem Arbeitsbeginn der Spätschicht. Auch die Lürssen-Werft und Airbus waren betroffen.

In Bremen wurde allerdings nicht nur gestreikt, sondern auch öffentlichkeitswirksam demonstriert. „3500 Menschen haben an drei Kundgebungen teilgenommen“, sagte Stahmann. Ein Demonstrationszug führte vom Wall durch das Viertel. Zwei weitere starteten am Daimler- Tor 1 und in Habenhausen. Alle trafen sich an der Karl-Carstens-Brücke. Die Kreuzung Karl-Carstens-Brücke/Osterdeich wurde eine Stunde lang durch die Demonstranten blockiert.

„Bereits in der vergangenen Woche gab es einige betriebliche Warnstreiks in Bremen. Heute war das eine erhebliche Steigerung“, sagte Stahmann. Er ist überrascht, dass die Arbeitgeberverbände den Konflikt innerhalb der Tarifverhandlungen soweit eskalieren lassen. „Der letzte Tarifvertrag ist mit dem 31. März abgelaufen. Danach kamen vier Wochen Friedenspflicht. Die Arbeitgeber haben diese Zeit nicht für Verhandlungen genutzt, aber sie tun jetzt überrascht“, sagte Stahmann.

Er hält die Forderung von fünf Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten für klar nachvollziehbar. „Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr Geld und dazu Verbesserungen etwa im Bereich Bildungsfreizeit, Altersvorsorge oder Übernahme der Auszubildenden gefordert“, sagte Stahmann. „Im letzten Jahr forderten wir einen Einkommensanstieg von 5,5 Prozent.Dieses Jahr fordern wir fünf Prozent, aber keine anderen Verbesserungen dazu.“

„Arbeitgeber-Angebot nicht akzeptabel“

Über das erste Angebot der Arbeitgeberseite von 0,9 Prozent brauche man nicht weiter reden, so Stahmann. „Danach haben sie ein zweites Angebot gemacht. 2,1 Prozent mehr, aber dann für eine Laufzeit von 24 Monaten. Das können wir nicht akzeptieren“, sagte Stahmann. Er hofft auf eine Lösung noch in dieser Woche. „Es finden in den nächsten Tagen Verhandlungen in einzelnen Bundesländern statt, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Würtemberg. Wir hoffen, dass da ein Pilotabschluss erzielt wird, der dann bundesweit angewendet werden kann“, sagte Stahmann. Sollte das nicht klappen, könne nächste Woche ein bundesweiter Streik von 24 Stunden mit Streikgeld anstehen. „Dann wird eine ganze Branche, wie etwa die Autoindustrie oder der Maschinenbau bundesweit bestreikt“, sagt er. Welche Branche das ist, würde der DGB-Bundesvorstand entscheiden. Auf jeden Fall wäre es eine sichtbare Branche, in der die Arbeitgeber sehr knauserig sind.

Bundesweit nahmen laut IG Metall rund 120000 Menschen an den Aktionen teil. Auch in den kommenden Tagen würden die Warnstreiks im geplanten Umfang weitergeführt, erklärte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann.