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Umfrage der Arbeitnehmerkammer Bremer Betriebsräte sorgen sich um Jobs

21.07.2015, 21:19 Uhr

Laut einer Umfrage der Arbeitnehmerkammer Bremen rechnet ein Viertel der Betriebsräte mit einem Rückgang der Stellen in diesem Jahr. Werkverträge könnten zu einem Nachfolger der Leiharbeit werden.

Bremer Betriebsräte bewerten die wirtschaftliche Lage ihrer Unternehmen zwar als stabil, sind aber bezüglich der zukünftigen Entwicklung skeptischer als noch vor einem Jahr. Das geht aus der aktuellen Betriebsrätebefragung der Arbeitnehmerkamme r hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Zusätzliche Stellen

Positiv bewertet wurden die 5000 zusätzlichen Stellen, die im vergangenen Jahr in Bremen entstanden sind, sowie die steigenden Arbeitnehmerverdienste. Der Durchschnittsverdienst im Land Bremen in 2014 lag bei 4365 Euro brutto für eine Vollzeitstelle inklusive sämtlicher Zuschläge. Allerdings rechnet ein Viertel der befragten Betriebsräte mit einem Rückgang der Stellen in ihrem Unternehmen.

Baugewerbe steht positiv dar

Am positivsten steht in der Umfrage das Baugewerbe dar. Dort rechnen 57 Prozent mit einem Stellenzuwachs, die verbleibenden 43 Prozent mit konstanten Beschäftigungszahlen. Doch die Hälfte der Befragten im Finanz- und Versicherungssektor geht von einer abnehmenden Beschäftigung aus, im Bereich Handel und Verkehr ist es gut ein Drittel.

In der in Bremen besonders stark vertretenen Industrie rechnen 70 Prozent mit konstanten Beschäftigungszahlen, 12,5 Prozent mit einer Zunahme und 20 Prozent mit einer Abnahme.

Zahlen als Warnsignal

„Die Zahlen zeigen die andere Seite der Wirtschaft in Bremen, nämlich die Sicht der Beschäftigten“, sagte Elke Heyduck, Geschäftsführerin und Leiterin der Politikberatung der Arbeitnehmerkammer. „Für uns sind die Zahlen ein Warnsignal und ein Grund, da genauer hinzuschauen.“

Werkverträge kritisch gesehen

Kritisch gesehen wird bei den Betriebsräten auch der stärkere Einsatz von Werkverträgen. Diese kamen 2014 in jedem dritten Unternehmen zum Einsatz, 2015 bereits in fast der Hälfte. Die Betriebsräte sehen in Werkverträgen bereits einen Nachfolger der Leiharbeit. 

„Eigentlich sind Werkverträge ein ganz normales Instrument auf dem Arbeitsmarkt. Auch wir schließen die manchmal mit Fahrern oder wissenschaftlichen Mitarbeitern ab“, sagte Heyduck. „Kritisch wird es aber, wenn Werkverträge für Arbeiten vergeben werden, die vorher ganz regulär im Unternehmen stattfanden.“

Folge: schlechtere Arbeitsbedingungen

Die Industrie würde ganze Bereiche ausgliedern, wie etwa die Logistik oder das Personalwesen. Dabei wechsle der Tätigkeitsbereich oft in einen anderen Wirtschaftssektor, etwa von der Industrie mit ihren Tarifen in den Dienstleistungsbereich. Die Folge seien schlechtere Arbeitsbedingungen und bis zu 1000 Euro weniger im Monat.

Eher Appell-Charakter

„Wir begrüßen, dass der neue Koalitionsvertrag einen Nachholbedarf bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung konstatiert“, sagte Heyduck. Die Möglichkeiten auf der lokalpolitischen Ebene hätten aber eher einen Appell-Charakter. „Es ist gut, dass die Gewerkschaften sich dafür einsetzen, dass die Betriebsräte ein Mitspracherecht bei Werkverträgen bekommen. Oft laufen diese unter ,Einkauf‘ und der Betriebsrat kriegt davon nichts mit.“

151 Betriebsräte wurden von der Arbeitnehmerkammer befragt. Sie repräsentieren rund 80000 Beschäftigte, also knapp ein Viertel der Beschäftigten im Land Bremen, und alle relevanten Wirtschaftszweige.