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Umschlag rückläufig Bremens Häfen schwächeln

Von Martin Kolbe | 14.12.2015, 19:32 Uhr

Die Jahresbilanz der Häfen zeigt: Die Weltkonjunktur drückt den Umschlag. Bremen will die maritime Infrastruktur mit 240 Millionen Euro ausbauen.

Bremens Senator für Arbeit, Wirtschaft und Häfen, Martin Günthner (SPD), sprach gestern in bezug auf die Jahresbilanz der Bremer Häfen von einer „Seitwärtsbewegung“. Tatsächlich war die Entwicklung leicht negativ – nach Einschätzung Günthners eine Folge der Weltkonjunktur. Insgesamt 74,5 Millionen Tonnen umfasst der prognostizierte Umschlag für 2015, ein Rückgang um sechs Prozent. „Das ist bedauerlich, aber kein Beinbruch“, so Günthner. Die Gesamtzahl von 5,6 Millionen verladenen Containern (-3,6 Prozent) bewegten sich aber immer noch in rekordverdächtiger Höhe. Dafür stieg der Umsatz von Massengütern um 4,2 Prozent auf 9,8 Millionen Tonnen.

Gerade die stadtbremischen Häfen würden sich in diesem schwierigen Markt gut behaupten, so der Senator für Wirtschaft. Sie können mit einem Jahresumschlag von 3,6 Millionen Tonnen rechnen. Im Neustädter Hafen brach der Umsatz von Stahlprodukten – schwerpunktmäßig Pipeline-Teile – wegen des niedrigen Ölpreises um 38 Prozent ein, was aber durch Forstprodukte sowie Stück- und Schwergut zum Teil kompensiert wurde. Der Gesamtumschlag sank daher „nur“ um 16 Prozent.

Beinahe so viele Autos wie 2014

Beim Export und Import von Autos würden die Häfen in Bremerhaven an den Rekordwerten von 2014 kratzen. 2,25 Millionen Einheiten bedeuten hier einen geringen Rückgang um 40.000. 80 Prozent der Autos und 50 Prozent der Container wurden per Bahn transportiert. Zukünftig soll die Zahl der Gleise im Rangierbahnhof Insumer Deich in Bremerhaven von acht auf 16 verdoppelt werden. Die Baumaßnahme kostet 30 Millionen Euro, nur ein kleiner Teil der 240 Millionen Euro, mit denen das Land Bremen die maritime Infrastruktur modernisieren will. Nochmal 32,7 Millionen kostet die Modernisierung der Hafenkaje in Bremerhaven. Den Löwenanteil von 180 Millionen Euro verschlingt der Offshore-Terminal-Bremerhaven (OTB).

Den OTB passe in die industriepolitische Ausrichtung des Landes Bremen mit ihrer starken Ausrichtung aus Windenergie. „Da die Hälfte der Kohlekraftwerke bis 2030 vom Netz geht, bekommt die Windenergie einen besonderen Rang“, sagte Günthner.

Appell an Umweltschützer

Martin Günthner appellierte an den Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) auf eine angekündigte Klage gegen den OTB zu verzichten, vor allem vor dem Hintergrund der Ergebnisse des Weltklimagipfels. Dem Appell will man beim BUND in Bremen allerdings nicht folgen. „Der OTB leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz und ist überflüssig“, sagt Martin Rode, Pressesprecher beim BUND-Landesverband Bremen. „In Bremerhaven gibt es nur noch zwei Firmen, die Gondeln herstellen, an denen die Flüge angefügt werden.“ Diese Firmen wären aber eher schwach beziehungsweise mehr auf den Onshore- als auf den Offshore-Bereich fixiert. Marktführer Siemens, habe sich für die anspruchsvolle Produktion der Gondeln in Cuxhaven entschieden und könne diese auch dort verschiffen. Die Flügel würde Siemens in England produzieren und die Fundamente in Dänemark. Die Anlieferung würde direkt über Spezialschiffe erfolgen. Außerdem gäbe es bereits Anlagen, die für die Verladung der Teile geeignet wären.

Der Bau sei unzulässig, da er einen starken Eingriff in das Naturschutzgebiet Luneplate erfordert. „Dafür muss ein übergeordnetes öffentliches Interesse vorliegen und es darf keine Alternativen geben. Diese Bedingungen sind nicht erfüllt“, sagt Rode.