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Zahl der Antanz-Delikte nimmt zu Bremer Polizei rät: Handy in der Tasche lassen

09.11.2015, 21:56 Uhr

Eine Gruppe von 50 minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen macht der Bremer Polizei das Leben schwer und sorgt unter anderem am Hauptbahnhof für eine Verdoppelung der Straftaten.

Wenn es an Hauptbahnhof, Discomeile und im Steintorviertel dunkel wird, steigen das Risiko und auch die Polizeipräsenz. Seit einigen Wochen macht hier eine Gruppe von etwa 50 bis 60 Minderjährigen der Bremer Polizei zu schaffen. Ein besonderer Trick von ihnen ist das Antanzen. Dabei nähern sich die Jugendlichen ihren Opfern mit tänzerischen Bewegungen, danach folgen eine Umarmung und dann ein Raubüberfall. Am Ende liegt das Opfer schlimmstenfalls verletzt auf dem Boden und ist um Geld Wertsachen erleichtert.

„Wir begegnen diesen Jugendlichen vor allem am Wochenende mit erhöhtem Personaleinsatz“, sagt Ines Roddewig, Sprecherin der Polizei Bremen. „Wir haben eine Liste mit den Namen der Täter. Aber die Gruppe ist immer im Wandel. Einige wandern weiter, neue kommen dazu.“ Die Täter stammen aus Algerien und Marokko und halten sich ohne Verwandte in Bremen auf.

Bevor die Gang mit ihrem Unwesen begann, habe es etwa es in dem Gebiet acht Raubüberfälle pro Woche gegeben, nun habe sich die Zahl auf 16 verdoppelt, so Roddewig. Bei dieser Zahl wird nicht zwischen Raub und schwerem Raub, bei dem auch Waffen oder gefährliche Gegenstände eingesetzt werden, unterschieden. Auch die Zahl der Taschendiebstähle sei von 20 auf etwa 45 pro Woche angestiegen. Roddewig weist aber auch entschieden darauf hin, dass mit den etwa 50 bis 60 Intensivtätern nur ein sehr kleiner Teil der etwa 2000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Bremen auffällig sei. Mit dem Rest gäbe es keine Probleme.

Die Empfehlungen der Polizei sind klar. Man sollte Jugendliche laut und deutlich auffordern, Abstand zu halten, wenn diese einem zu nahe kommen. „Wir empfehlen in der Nähe des Bahnhofes das Smartphone lieber in der Tasche zu lassen“, sagt Roddewig. „So ein Smartphone ist im Schnitt mehrere hundert Euro teuer und damit eine attraktive Beute. Die Besitzer vergessen das immer. Die würden nahe dem Hauptbahnhof auch nicht frei mit mehreren Hundert-Euro-Scheinen hantieren.“ Da die Smartphone-Nutzer häufig abgelenkt seien, etwa weil sie beim Gehen im Internet surfen, wären sie leichte Opfer. „Da müssen die Täter nur vorbeistürmen und das Smartphone aus der Hand reißen“, sagt Roddewig.

An den Wochenenden würden sich die Täter häufig an stark alkoholisierten Opfern vergreifen. „Die sind langsamer und wehrloser als nüchterne Menschen. Oft ist bei ihnen auch die Aufmerksamkeit eingeschränkt, so dass sie sich das Aussehen der Täter nicht so gut merken können“, so Roddewig. Die Polizeisprecherin empfiehlt deshalb, mit Alkohol maßvoll umzugehen, um das Risiko nicht zu erhöhen.