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Zwei Vorfälle in zwei Tagen ICE überfährt in Bremen Betonplatte mit 160 km/h

Von Jörg Sanders | 21.09.2016, 17:24 Uhr

Zweimal in zwei Tagen sind Züge in Bremen über dicke Betonplatten gefahren, die Unbekannte dort abgelegt hatten – ein ICE sogar mit 160 Stundenkilometern. Vermutlich waren es Kinder.

Beide Vorfälle ereigneten sich der Polizei zufolge auf derselben Eisenbahnbrücke in Bremen-Hastedt. Am Dienstagabend überfuhr eine Nordwestbahn mit 50 Stundenkilometern eine 40 Mal 80 Zentimeter große Betonplatte einer Kabelschachtabdeckung. Die Strecke wurde kurzzeitig gesperrt, vier Züge verspäteten sich in der Folge.

ICE mit 160km/h

Am Mittwochmittag überfuhr ein ICE mit 160 Stundenkilometern eine weitere Betonplatte sowie eine Glasscheibe und Flaschen. Der ICE vollzog eine Notbremsung. Die Radsätze werden noch untersucht, die Schäden sollen jedoch gering sein. Der ICE setzte seine Fahrt fort.

Ein Zeuge will an der Bahnstrecke zwei oder drei Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren gesehen haben. Bundespolizisten fanden an der Strecke ferner eine aus Ästen gebaute Höhle. Auch der Lokführer eines Güterzuges hatte zwei Kinder an den Gleisen beobachtet. Daher geht die Bundespolizei von Kindern aus, die die Platten abgelegt hatten.

Gefahr für Kinder und Passanten

Die Gefahr einer Entgleisung habe nicht bestanden, versicherte die Bundespolizei in Bremen auf Nachfrage unserer Redaktion. Die etwa 15 Kilogramm schweren Platten würden von den Tonnen schweren Zügen zermalmt. „Aber die Radsätze werden beschädigt“, sagte Pressesprecher Holger Jureczko. Viel schlimmer sei jedoch: „Die Kinder können dabei getötet werden.“ Betontteile flögen bis zu 100 Meter weit. „Und natürlich liegen die Kinder in der Nähe – die wollen ja sehen, was passiert,“ so Jureczko. Aber auch Passanten unter der Brücke hätten getroffen und verletzt werden können. Zudem befände sich die Stelle der abgelegten Platten in einer Kurve. „Die Kinder nehmen den Zug erst 100 Meter vorher wahr, und der Zug fährt 40 Meter pro Sekunde. Zwei eins – tot“, erläuterte Jureczko die Gefahr.

Die Polizei appelliert daher an alle Eltern in Bremen-Hastedt und Sebaldsbrück, Kinder auf die Gefahren und die genannten Vorfälle anzusprechen.