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Videos aus Zeitzeugen-Projekt Museum erhält ein weiteres Stück Delmenhorster Stadtgeschichte

Von Christopher Bredow | 24.10.2019, 17:08 Uhr

Mit ihrem Zeitzeugen-Projekt wollen Paul Wilhelm Glöckner und Manfred Dührkop einen Beitrag zur Delmenhorster Stadtgeschichte leisten. Einen Teil ihrer Video-Aufnahmen mit bekannten Persönlichkeiten aus der Stadt haben sie nun an das Stadtmuseum übergeben. Sie wollen ihr Projekt aber noch weiter ausbauen.

Angefangen hat alles vor mehr als 30 Jahren mit einer alten, großen und schweren Videokamera, die Paul Wilhelm Glöckner noch auf der Schulter tragen musste. "Von der Technik hatte ich eigentlich überhaupt keine Ahnung", sagt der pensionierte Lehrer rückblickend über die Zeit, in der er damit begann, in Eigenregie bekannte Größen aus Delmenhorst als Zeitzeugen über die Stadtgeschichte zu interviewen und dies mit der Kamera aufzunehmen. Seit 1987 kamen so in den ersten Jahren etwa 30 Interviews mit Politikern, Sportlern und Personen aus der Industrie zusammen, bis Glöckner eine kleine Pause einlegte.

Technische Unterstützung von Manfred Dührkop

Seit 2016 wird er nun von Manfred Dührkop unterstützt, der 20 Jahre lang Leiter der Stadtbildstelle war und das nötige technische Know-how mitbrachte, um die Aufnahmen professioneller gestalten zu können. Komplett aus Eigenmitteln produzieren sie seitdem gemeinsam die Filme. "Wir haben uns die Arbeit dann aufgeteilt: Paul Glöckner hat die Gesprächsführung übernommen und ich die technische Seite", erzählt Dührkop, der die etwa einstündigen Interviews im Anschluss noch aufwendig schneidet und aufbereitet. (Lesen Sie hier: Delmenhorster Biografien in Bildern festhalten.)

"Delmenhorster Persönlichkeit" nennt sich das Zeitzeugen-Projekt inzwischen, das "einen kleinen Beitrag zur Geschichtsschreibung" leisten soll, wie Glöckner erklärt. Genau beziffern können die beiden Initiatoren die Anzahl der bisher geführten Interviews nicht, "doch es sind schon eine ganze Menge", so Glöckner.

Delmenhorster Stadtmuseum erhält Aufnahmen

Meistens wanderten die Aufnahmen bislang für die Öffentlichkeit mehr oder weniger unzugänglich im Stadtarchiv. Sieben der neuesten Aufnahmen hat aber nun das Stadtmuseum erhalten, worüber sich Museumsleiter Dr. Carsten Jöhnk sehr freut. "Wir haben in unserer Ausstellung bisher wenig mit Zeitzeugen gearbeitet und wollten diesen Bereich ohnehin ausbauen", sagt er.

Das Museum sei derzeit im Umbruch, in den nächsten Jahren wolle man eine Station aufbauen, in der das Material in multimedialer Form eingesehen werden kann. "Wir wollen dann auch mit jüngeren Menschen sprechen, die erst 20 Jahre alt oder sogar noch jünger sind", erklärt Jöhnk. "Auch sie sind Zeitzeugen und können zur Geschichtsschreibung beitragen." (Lesen Sie hier: Postkarten im Stadtmuseum erinnern an Kriegswirren.)

Bisher nur prominente Delmenhorster Persönlichkeiten interviewt

Bis jetzt waren es ältere und bekanntere Persönlichkeiten aus der Stadt, die Glöckner und Dührkop interviewt haben. Hans-Günter Stasch, Franz Matysiak und Jürgen Thölke sind drei der sieben Personen, deren Interviewaufnahmen nun im Stadtmuseum zu finden sind: "Das sind alles Menschen, die ohnehin schon bekannt sind und aus ihrer persönlichen und oft bewegenden Geschichte erzählen konnten", sagt Glöckner.

Er habe zwar noch mehr prominente Namen auf dem Zettel, wünscht sich für die Zukunft aber auch, mit Menschen aus der mittleren oder unteren Gesellschaftsschicht über ihre Erfahrungen sprechen zu können. "Mit diesen Personen haben wir bislang noch nicht gesprochen", erklärt der Historiker. Interessierte Menschen, die ihre persönliche "Delmenhorster Geschichte" vor der Kamera erzählen wollen, können sich daher telefonisch unter (0 4 22 1) 9 74 99 93 bei Paul Glöckner melden.

Zeitzeugen-Projekt soll fortgeführt werden

So oder so soll das Zeitzeugen-Projekt in den kommenden Jahren fortgeführt und damit noch mehr zur Rekonstruktion der Stadtgeschichte beigetragen werden. "Wir machen das noch so lange, wie wir Lust haben", sagt Glöckner. Geplant ist laut Jöhnke auch, die Aufnahmen an die Stadtbibliothek weiterzugeben, wo sie dann ebenfalls eingesehen werden können: "Das muss aber noch abgesprochen werden", so der Museumsleiter.