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Delmenhorster Unternehmerdynastie Geige erinnert an früheren Geigenlehrer der Lahusens

Von Frederik Grabbe | 21.08.2019, 20:18 Uhr

Er spielte auf der Nordwolle früher die erste Geige: Wilhelm Rehberg war früher der Geigenlehrer der Unternehmerdynastie der Lahusens. In ihrer Villa gab er ihren Kindern Unterricht. Eine Geige im Nordwolle-Museum erinnert jetzt an sein Wirken.

Ein besonderer Gegenstand in der Geschichte der Delmenhorster Nordwolle hat kürzlich den Besitzer gewechselt: Das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur darf sich jetzt Besitzerin einer Geige nennen. Aber nicht irgendeiner Geige: Ein Instrument aus dem Nachlass des Geigenlehrers Wilhelm Rehfeld ist jetzt von dessen Urenkelin Dorothea Kaufmann dem Museum auf der Nordwolle geschenkt worden, teilt die Stadt mit.

Musikunterricht für Kinder der Unternehmerdynastie

Rehfeld war Geigenlehrer der Kinder der Familie Lahusen, also der Familie, die früher Eigentümerin der Norddeutschen Wollkämmerei war. Die Bremer Unternehmerdynastie hatte 1884 die Fabrik in Delmenhorst gegründet, die bis in die 1920er Jahre zu einem weltweit tätigen Textilkonzern herangewachsen war. Die Norddeutsche Wollkämmerei steht heute beispielhaft für die Industrialisierung in Deutschland und deren Folgen im 19. und 20. Jahrhundert.

Geige spielen gehörte zum guten Ton

Die Familie Lahusen gehörte damals zur feinen Gesellschaft – und Geige spielen zu können, gehörte seinerzeit zum guten Ton. „Deshalb erhielten die Kinder einmal wöchentlich in der Villa auf dem Fabrikgelände Unterricht“, schreibt Ute Winsemann für die Stadtverwaltung. Die Villa der Lahusens steht noch heute und gehört zum Außengelände der Nordwolle neben dem ehemaligen Fabrikkomplex. Die Geige soll als Schenkung den Objektbestand des Museums aufwerten, schreibt Winsemann weiter. Von Wilhelm Rehfeld seien bereits Fotos und Notenbücher vorhanden. Diese Sammlung wird nun um das Saiteninstrument sowie zwei Geigenbögen des Bogenbauers Götz ergänzt.

Die Violine war einst ein Geschenk von Wilhelm Rehfeld an seine Frau, heißt es weiter in der Mitteilung. Tatsächlich hätten aber beide Ehepartner darauf gespielt. Das wusste Kaufmann aus der Familienhistorie zu berichten, teilt Winsemann mit.

Zugezogener Delmenhorster mit Zuneigung für die Graft

Rehfeld selbst war ein zugezogener Delmenhorster und lebte von 1906 bis 1952 in der Delmestadt. Damals hatte das Heer noch einen ganz anderen gesellschaftlichen Stand: Rehfelds Ziel war es ursprünglich, als Militärmusiker tätig zu sein. Doch seine Bewerbungen seien aufgrund seiner geringen Körpergröße abgelehnt worden, schreibt Winsemann für die Stadt. In dieser Ablehnung lag Rehfelds Weg in den Dienst für die Familie Lahusen begründet: Er bewarb sich als Kirchenmusiker bei der Evangelischen Gemeinde. So wurde er nicht nur Geigenlehrer bei der Unternehmerfamilie, sondern auch zum Kirchenmusikdirektor, Organisten, Chorleiter und Komponisten.

Seine Wahlheimat Delmenhorst schien er besonders ins Herz geschlossen zu haben. Verbindungen zur Stadt finden sich in seinen Kompositionen „Promenadenwalzer“ und – wie könnte es für wahre Delmenhorster anders sein? – „An der Graft“.