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Delmenhorster verurteilt Lange Haft nach nicht enden wollender Serie von Straftaten

Von Ole Rosenbohm | 02.09.2019, 20:20 Uhr

Trotz aller Eingliederungsversuche und letzter Chancen wurde ein 19-Jähriger nicht geläutert. Nach zahllosen Straftaten landet er nun im Gefängnis.

Das erste Mal tauchte der heute 19-Jährige schon vor sieben Jahren in den Akten des Jugendamts auf. Die Liste der seitdem angeschobenen Maßnahmen für ihn ist so umfangreich wie „kreativ“, sagte Jugendrichter Thomas Pünjer, aber: „Fast alles, was man sich ausgedacht hatte, hat grandios versagt.“

Letzter Akt bis jetzt: Am Montag verurteilte ein Jugendschöffengericht unter Pünjers Vorsitz den 19-Jährigen wegen Einbrüchen und Drogenbesitzes zu zwei Jahren und vier Monaten Jugendgefängnis.

Suspendierungen und Rausschmiss aus Schule

Der Angeklagte, finden Anwalt und Bewährungshelfer, ist ein freundlicher und aufgeschlossener junger Mann – ganz anders, als der Eindruck seiner Vita vermittelt: 2012 Erziehungsbeistand für seine Familie in Ganderkesee, Schulwechsel im selben Jahr, dort weitere Suspendierungen. Er begann, Alkohol und Marihuana zu konsumieren, dann flog er ganz von der Schule. Eine Schulersatzmaßnahme auf einer Bootswerft war schon nach Tagen zu Ende. Und eine stationäre Jugendhilfeeinrichtung in Lübeck besuchte er nur zwei Monate.

Nach Schifffahrt kommt der Rückfall

Zuvor hatten erste Straftaten zum ersten Jugendgerichtsprozess Anfang 2014 geführt. Sein zweiter, zehn Monate später, endete mit einem vierwöchigen Dauerarrest, aus dem er – kurios wie traurig – wegen Sachbeschädigungen und Undiszipliniertheiten vorzeitig entlassen wurde.

Der Konsum fast aller gängigen Drogen steigerte sich in dieser Zeit wie die Zahl weiterer Straftaten. Mit Anfang 16 sollte er auf einem Schiff lernen, soziale Fähigkeiten und Ziele zu entwickeln. Zwei Jahre blieb er an Bord – um sogleich nach seiner Entlassung wieder in alte Muster zu verfallen.

Nicht enden wollende Serie

Und jetzt nahm er auch noch die verheerend wirkende Droge Crystal Meth. Wegen einer nicht enden wollenden Diebstahl- und Einbruchserie, Sachbeschädigungen und Widerstandshandlungen an seinem zwischenzeitlichen Wohnort Helmstedt wurde er verhaftet und saß fünf Monate in Untersuchungshaft, bevor ihn das dortige Amtsgericht zu 20 Monaten auf Bewährung verurteilte – ein Urteil, das Richter Thomas Pünjer im Zusammenhang mit dem Vorleben des 19-Jährigen als „mindestens mutig“ bezeichnete; kaum versteckte Kollegenkritik.

Nach dem Prozess wieder in Freiheit ging die Serie klassischer Beschaffungskriminalität des jungen Mannes weiter, jetzt in Delmenhorst. Er schlug bei einem Freund auf und brach mit diesem in eine Bäckerei ein. Beute: knapp 75 Euro. Beide scheiterten in der selben Nacht an den Schiebetüren eines Cafés und einer Apotheke in Bahnhofsnähe. Alleine hatte er zudem Fenster eines Vereinsdomizils aufgehebelt, dort aber nichts gefunden. Von Urteil und Freilassung in Helmstedt bis zur erneuten Verhaftung und der nächsten U-Haft im vergangenen April waren gerade zwei Monate vergangen.

Chance, zur Ruhe zu kommen

Die Jugendstrafe ohne Bewährung (als Gesamtstrafe aus beiden Verfahren) sei unumgänglich, sagte Pünjer, der Baukasten „völlig ausgeschöpft“, es bliebe nichts übrig. Jetzt in der Haft habe er die Chance, zur Ruhe zu kommen, nicht jeden Tag darüber nachdenken zu müssen, wo die nächsten Drogen herkommen. Hoffnung auf Besserung macht, dass er das erste Mal überhaupt darüber nachdenkt, eine Drogentherapie zu beginnen. Wird ihm eine stationäre Therapie bewilligt, könnte er damit einen großen Teil seiner Haftzeit ersetzen.