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Kolumne Quergedacht: Schmerzhafte Trennung

Eine Kolumne von Kai Hasse | 04.09.2019, 16:23 Uhr

Setze Deine Zeichen mit Bedacht. Merken wir immer wieder. Dazu ein paar Gedanken über verwirrendes Textwerk in unserer Kolumne "Quergedacht".

Die Trenn-Fuge kennen Sie? Großartiges Stück. Damals! Bach! Ach! Der Bach. Für wohltemperierte Klaviere hat er Fugen geschrieben, oder für Orgeln, mit einem so umwerfenden musikalischen Feuer, so wuchtig wie ein Sattelschlepper, so gedrechselt wie Bettpfosten des Rokoko und so verwoben wie ein Perserteppich. Das mit den Fugen soll dem mal einer nachmachen.

Nein. Moment. Die Trennfuge. Nonchalant, lässig im Vorbeiflug vergackeiert da ein einzelnes Wort einen von Floskeln überfluteteten Textwerker. Korrektur! Die Trennfuge hat mit Bach nicht die Bohne was zu tun. Selbst dessen uninspirierter Name bietet dafür nicht den geringsten Ansatzpunkt. Die Trennfuge ist ein Textbefehl, der Silben eines Wortes an einem Zeilenende dort mit einem Trenn-Strichelchen trennt, wo man es getrennt haben will.

Urin-stinkt, Flutsch-einwerfer und Erzen-gel

Kocher-Leben? Da fragte der Kollege die Kollegin, was zum Geier denn in ihrem Text das Kocher-Leben zu bedeuten habe? Man siehe: Da fehlt sie, die Trennfuge: Bei Koch-Erleben nämlich. Und der andere Kollege fragt, was für ein possierliches Tierchen denn die Toptalente ist? Also die Toptal-Ente? Oder geht es um Top-Talente?

Wenn die Kandidatin neulich bei „Wer wird Millionär“ das mit der Fuge gewusst hätte. Also nicht die Musik, sondern das Trenn-Strichelchen. Sie scheiterte fast an der Frage, was denn im Unterbewusstsein erhalten geblieben sei: Kackedampft? oder Urinstinkt? Was stellt sie mit Worten wie Flutsch-Einwerfer, Schwein-Elende, oder Erzen-Gel an? Haben Europa-Letten Angst vor dem Brexit? Welche Noten stehen in dem Drucker-Zeugnis?

Bach hätte andere Fugen gesetzt. Aber dessen makellose Akkuratesse im Setzen der rechten Akzente ließ schon damals stets jeden Zeitgenossen vor Neid erb-lassen.