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Stadtrat Delmenhorst entscheidet Keine Orientierungshilfe für Eltern von Schulkindern

Von Kai Hasse | 05.09.2019, 20:52 Uhr

Eine Schulbörse sollte Schulen Gelegenheit geben, sich zusammen den Delmenhorster Eltern vorzustellen. Das wird lange diskutiert. Und daraus wurde nichts.

Eine Schulbörse, die Eltern auf einen Blick die Profile von Schulen der Stadt bieten könnte, wird es in Delmenhorst erst einmal nicht geben. Ein entsprechender Antrag der Gruppe SPD und Partner hat in der Ratssitzung des Mittwochabends, 4. September, nicht die erforderliche Mehrheit bekommen. Zustimmung gab es hingegen für eine Elternbefragung zur weiteren gewünschten Entwicklung für Eltern von Kindern der ersten bis vierten Klassen.

Überbietungswettbewerb befürchtet

Der Punkt der Schulbörse wird bereits seit Monaten diskutiert. Der Antrag stammt aus dem März. Die Idee wäre, dass die Schulen die Gelegenheit bekommen, sich alle beispielsweise in der Markthalle darstellen können, sodass Eltern die Angebote und Profile direkt vergleichen können, ohne bei vielen Besuchen in den einzelnen Schulen selbst ein möglicherweise lückenhaftes Bild verschaffen zu müssen. Die Verwaltung war bereits im Vorfeld kritisch: Das direkte Nebeneinanderstellen könnte zu einem Überbietungswettbewerb führen. Außerdem sei unklar, was der bereits jetzt in vielen Aufgaben gebundene Fachbereich der Stadt beitragen könne.

Einwohner sprechen sich für Schulbörse aus

In der Ratssitzung meldeten sich zum Punkte Schulbörse zwei Einwohner, die deutlich machten, wie dringend die Schulbörse jedoch gebraucht werden könne. In Grundschulen würden nur „Tendenzgespräche“ stattfinden, die wenig konkret sind, hieß es. Und für Eltern sei es sehr schwer, sich bei vielen vereinzelten Gesprächen zu unterschiedlichen Terminen in den Schulen umfassend zu informieren. Selbst einzelne Schulformen hätten untereinander nicht dieselben Lehrkonzepte. Deshalb sei eine Gesamtübersicht wichtig.

Ratsherr Harald Schneewind (Grüne) sprach sich für die Schulbörse aus: "Auch wenn es bereits gut läuft – es kann noch besser laufen. Wir können die Bedenken der Stadt nachvollziehen. Die beste Art rauszufinden, ob sie berechtigt sind ist aber, es auszuprobieren." Ratsfrau Andreas Lotsios (SPD und Partner) betonte, dass die Schulen auch Gelegenheit zu einem sinnvollen Austausch hätten. Uwe Dähne (UAD) bemängelte, dass der Antrag der Sozialdemokraten in der aktuellen Form "reine Symbolpolitik" wäre, es fehlten konkrete Maßnahmen. Enno Konukiewitz (SPD und Partner) parierte: "Der grundlegende Vorstoß ist richtig. Wie man das konkret plant – dafür gibt es auch eine Schulleiterkonferenz."

Gegenvorschlag von der CDU

Frauke Wöhler (CDU) zeigte sich von den Bedenken der Stadtverwaltung überzeugt. Sie hatte einen Gegenvorschlag in Form eines zweiten Antrages: Die Stadt solle eine Broschüre erstellen, in der die Schulen ihre Profile, Stärken, Kontaktdaten und weitere relevante Informationen zusammenfassen können. Diese Broschüre könne in den vierten und zehnten Klassen – zur Entscheidung über Sekundarstufe I und II – verteilt werden.

So standen sich zwei Entwürfe scheinbar gegenüber, Schulbörse gegen Broschüre. Jemand im Saal, halblaut: "Warum nicht beides?" Das blieb ungehört.

Es wurde nichts von beidem.

Zwei knappe Entscheidungen

Die von Wöhler beantragte Broschüre bekam 17 Ja- und 18 Neinstimmen – abgelehnt. Die von SPD und Partnern beantragte Schulbörse bekam jeweils 18 Ja- und Nein-Stimmen – auch faktisch abgelehnt. Abgestimmt wurde jeweils klar entlang der Linie zwischen Konservativ und Linksliberal: AfD, CDU, FDP und UAD für die Broschüre – SPD, Linke, Grüne, Freie Wähler für die Schulbörse.

Eine von der SPD und Partner angestoßene Elternbefragung unter den ersten vier Schulklassen für die künftige Schulentwicklung hingegen fand eine Mehrheit. Sie soll von der Stadt ausgeführt werden. Der Erste Stadtrat Markus Pragal machte zuvor aber klar: "Das Thema ist so komplex, dass es so von und mit den Bordmitteln der Verwaltung nicht zu schaffen ist. Wir müssten Geld für eine Externe Begleitung in den Haushalt einstellen." Heißt: Das Rathaus schafft es personell nicht, die Sache kostet also Geld. Enno Konukiewitz brach dennoch eine Lanze für das Projekt: Viele andere Kommunen und große Städte würden ihre gute, gezielte Schulpolitik auf eine grundlegende Elternbefragung stützen. Der Antrag wurde gestützt, der Elternbefragung wird geplant.