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Gästeführerin verlagert Tour auf vier Räder Neue Perspektiven auf Delmenhorst und umzu mit dem Bus

Von Jasmin Johannsen | 16.09.2019, 20:18 Uhr

In die sehenswerten Ecken innerhalb und über die Stadtgrenzen hinaus ging es am Sonntagnachmittag, 15. September, für 24 Geschichtsinteressierte. Sie erkundeten Delmenhorst auf einer zweistündigen Bustour.

Wer einmal gemütlich Delmenhorst erkunden und dabei viel Wissenswertes über die Stadtgeschichte erfahren möchte, ist bei Bärbel Isler goldrichtig. Seit rund 20 Jahren sie als Gästeführerin meistens zu Fuß auf ihren Rundgängen durch die Stadt unterwegs. Zweimal im Jahr – im Herbst und im Frühling – verlagert sie ihre Tour jedoch auf vier Räder. Dann bietet Delbus in Kooperation mit der Delmenhorster Wirtschaftsförderung eine knapp zweistündige Stadtrundfahrt mit dem Bus an. Seit fünf Jahren gibt es die beliebte Tour entlang der sehenswerten Stadtecken bereits. Auch am Sonntagnachmittag füllten sich die Reihen bis auf wenige Plätze, als es vom Markt aus auf Entdeckungsfahrt ging.

Jedes Jahr eine neue Route

„Zum Herbst denke ich mir immer eine neue Route aus, die im Frühjahr dann wiederholt wird“, sagte Bärbel Isler. Am Sonntag führte die Strecke von der Innenstadt über Elmeloh, den Friedhof Bungerhof und Hasbergen bis zum Hasportsee, zur Feldwebel-Lilienthal-Kaserne und über Ganderkesee wieder zurück in die Stadtmitte. Erstmalig wurden bei der Tour die Stadtgrenzen überschritten, um auf Delmenhorst „einen Blick von außen“ zu ermöglichen, wie Bärbel Isler betonte. Die erfahrene Gästeführerin berichtete von der historischen Entwicklung der Stadt, ließ es sich aber nicht nehmen, die eine oder andere launige Anekdote zu erzählen und konnte den 24 Rundfahrtsteilnehmern auch viel über die architektonischen Details prägnanter Bauten verraten.

Kurzer Spaziergang zum Friedhof

Eine dieser architektonischen Perlen der Stadt steht an keinem anderen Ort, als auf dem Friedhof Bungerhof, der ab 1924 als erster nicht konfessioneller Gemeindefriedhof von 600 arbeitslosen Delmenhorstern angelegt wurde. „Es handelte sich damals also um ein städtisch gefördertes Arbeitsprogramm“, erklärte Bärbel Isler, während sich die Tourteilnehmer auf einem kurzen Spaziergang der eigentlichen Besonderheit näherten: die vor wenigen Jahren renovierte Friedhofskapelle. Der Architekt Fritz Höger, der auch der „Papst des Backsteinexpressionismus“ genannt wird, hat das Gebäude ebenso wie die Kapelle auf dem Friedhof an der Wildeshauser Straße und das Klinikum Delmenhorst in den 1920er Jahren entworfen. „Durch die einfachen quaderähnlichen Formen ähneln sich alle drei Gebäude sehr“, erzählte Bärbel Isler. Und weil das ebenfalls von Höger entworfene Chilehaus in Hamburg 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, könnte Delmenhorst diese Ehre ja vielleicht auch noch zuteilwerden, schmunzelte die Gästeführerin: „Hoffen kann man ja zumindest.“

Wilde Tiere aus Bremen fallen ein

Durch den Stadtsüden und über den Hasportsee ging es dann in die ländlichen Regionen Ganderkesees und weiter zum Tiergarten, in dem lange Zeit zur Fleischversorgung der gut betuchten Delmenhorster Wild gehalten wurde und der am Wochenende vor allem für die Bremer ein beliebtes Ausflugsziel darstellte. Natürlich fiel Bärbel Isler auch zu diesem Umstand eine Anekdote ein: „Als ein Gastwirt von einer Bremerin gefragt wurde, wo denn die wilden Tiere im Tiergarten seien, antwortete dieser, dass die immer nur am Wochenende aus Bremen zu Besuch kommen würden.“ Wer Delmenhorst auch einmal per Bus entdecken will, hat im kommenden März wieder die Chance dazu. „Man sollte sich allerdings frühzeitig anmelden“, empfiehlt Bärbel Isler, „die Tour ist schnell ausgebucht.“