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Kolumne Quergedacht: Als Dilettant eine Bank

Von Marco Julius | 02.10.2019, 15:21 Uhr

In der neuen Folge unserer stets kreditwürdigen Kolumne geht es um Zinsen, Banken und seltsame Öffnungszeiten.

Wenn ich an das Geldinstitut denke, das mein sauer Erspartes hortet, dann denke ich an Bertolt Brecht. Oder besser an Bert Brecht, wie wir Eingeweihten ihn nennen. Der hat nämlich einen Satz von Bestand gesagt: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Bankraub, das sei doch eher was für Dilettanten. Wahre Profis, die gründen selbst eine. Und dabei hat Brecht noch gar nichts gewusst von dem, was mich umtreibt. Nämlich von den Öffnungszeiten meines Geldinstituts. Also nicht „meines“ im Wortsinn, ich bin ja kein Profi. Aber einen Zeitpunkt zu finden, an dem ich Zutritt zu meiner Bankfiliale habe, ist in etwa so schwierig, wie eine Audienz beim Papst zu bekommen. Und dabei entstamme ich den Generation Knax. Nicht nur das ich einen gewaltigen Knacks habe. Ich bin auch nur ein Jahr älter als das erste Knax-Heft. Erinnert sich wer? Steuerbert und Backbert? Schlapf, der verschlafene Wächter? Pomm-Fritz und Pomm-Friedel? Fetz Braun? Klingelt es? Mit den Knax-Heften und dem Weltspartag bin ich erzogen worden. Habe mein Kleingeld im Schwein zur Bank getragen, Zins und Zinseszins freudig addiert. Nicht mehr lang, und meine Bank will Geld von mir. Nur dafür, dass sie meine Taler aufbewahrt. Die Banken, so scheint es, wären heute froh, käme ein Profi, um sie auszurauben. Dann müsste sie das teure Geld nicht länger horten.