Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Delmenhorster Publikum bis zur letzten Sekunde gefesselt Agatha Christie-Krimi bringt Nervenkitzel ins Kleine Haus

Von Frederik Grabbe | 23.10.2019, 16:05 Uhr

Psychospielchen, die einem einen Schauer über den Rücken jagen: Damit konnte am Dienstagabend im Kleinen Haus der Agatha Christie-Krimi „Der Fremde im Haus“ das Publikum überzeugen.

Charmant, intelligent, abenteuerlustig und natürlich gutaussehend – welche Frau würde bei so einem Mann nicht schwach werden? Die Hauptdarstellerin in Agatha Christies „Der Fremde im Haus“ tut es jedenfalls. Sie lässt sich von einem einnehmenden Unbekannten nur wenige Minuten nach der ersten Begegnung so betören, dass sie nicht mehr von ihm loskommt. Das nahende Unheil bleibt ihr dabei natürlich viel zu lange verborgen. Gefangen in einer Abwärtsspirale aus Psychospielchen versucht sie erst kurz vor Ende dem Unausweichlichen zu entgehen. Bei diesem Versuch konnten die knapp 340 Zuschauerinnen und Zuschauer am Dienstagabend im Kleinen Haus zusehen. Da stand das Ensemble der „Theatergastspiele Fürth“ auf der Bühne und sorgte für eine Vorstellung voller Nervenkitzel und Spannung.

Junge Cecily will jetzt Abenteuer

Es ist nicht gerade eine komplizierte Handlung, die Agatha Christie in ihrer Kurzgeschichte „Philomel Cottage“ aus dem Jahr 1934 verbaut hat. Jedenfalls ist sie schnell erzählt: Als die junge Cecily Harrington (Sarah Elena Timpe) zusammen mit ihrer Freundin und Mitbewohnerin Mavis (Franziska Janetzko) im Lotto gewinnt, verlässt sie nicht nur die gemeinsame Wohnung, sondern beendet auch die Beziehung zu ihrem langjährigen Verlobten Nigel (Markus Baumeister). Viel zulange war ihr Leben von Regeln und den Erwartungen anderer – vor allem ihrer Tante Louise (setzte vor allem humoristische Akzente: Johanna Liebeneiner) – bestimmt. Jetzt will sie Spaß und Abenteuer.

Heirat mit dem Fremden folgt schnell - und der Albtraum beginnt

Genau da steht der gutaussehende Bruce Lovell (Saša Kekez) vor der Tür, der die Wohnung mieten will. Sofort verliert Cecily ihr Herz an den attraktiven Fremden, denn anders als das Publikum merkt sie natürlich nicht sofort, dass etwas mit dem jungen Mann nicht stimmt, und heiratet ihn – trotz der Bedenken von Freunden und Familie – nach kurzer Zeit. Mit dem Umzug in eine verlassene Villa weit entfernt von jeglichen Nachbarn und ganz ohne Telefonnetz beginnt der Alptraum für die frischgebackene Ehefrau. Unerklärliche Anfälle quälen Bruce, auf Besuch reagiert er mehr als übelgelaunt und nicht nur Cecily, sondern auch dem Landarzt Dr. Gribble (Norbert Heckner) und dem Gärtner Hogson (Michael Kausch) gegenüber lässt er seinen Aggressionen freien Lauf.

Spannung im Saal förmlich greifbar

Die Spannung im Saal war förmlich mit den Händen greifbar, als das Publikum zusah, wie sich der Mann, der Cecily bei der ersten Begegnung so vertraut schien, allmählich zum herrschsüchtigen Fremden entwickelte. Das lag zum einen daran, dass Regisseur Thomas Rohmer die Handlung in die Gegenwart verlegte und die Charaktere und Dialoge ordentlich entstaubt. Wohldosierte dramatische Musik sorgte dazu für richtige Schockmomente. Zum anderen zeigte das Ensemble – allen voran die beiden Hauptdarsteller Saša Kekez und Sarah Elena Timpe – eine hervorragende schauspielerische Leistung. Wie Timpe als Cecily sich von einer lebenshungrigen jungen Frau zum isolierten Nervenbündel entwickelte und im Showdown verzweifelt um ihr Leben kämpfte oder Kekez überaus glaubhaft den durchgeknallten Psychopathen mimte – das war schon sehr sehenswert.

Dass Christies Werke auch heute noch für knisternde Spannung sorgen, zeigte dieser fesselnder Psycho-Thriller, der die Zuschauer bis zum letzten Moment in Atem hielt, allemal. Zurecht gab es dafür nicht bloß am Vorstellungsende viel Applaus.