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ADFC-Aktion "Mehr Platz fürs Rad" Mehr Kontrollen für Delmenhorster Innenstadt gefordert

Von Sascha Sebastian Rühl | 29.07.2019, 08:28 Uhr

Mehr Platz fürs Rad haben die Mitglieder des ADFC-Delmenhorst am Samstag gefordert. Ihnen geht es um bessere Radwege, mehr Abstellfläche und auch schärfere Kontrollen in der Innenstadt.

Das Fahrrad braucht mehr Platz. Für diese Ansicht hat die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) am Samstag in Delmenhorst geworben. „Wir wollen die Verwaltung auffordern, bessere Radwege und mehr Platz fürs Rad zu schaffen, um noch mehr Leute aufs Rad zu bringen“, betonte Manfred Menzel vom ADFC, in dem sich in Delmenhorst fast 300 Radfreunde organisiert haben. Viele, die noch nicht täglich auf zwei Rädern zur Arbeit fahren, würden dies nicht tun, weil sie sich auf den Radwegen unsicher fühlten.

Nur Hauptstraßen wirklich gut in Schuss

Kaputte oder schlecht ausgebaute Radwege finde man laut ADFC überall in Delmenhorst. Aber immerhin seien die Strecken entlang der Hauptverkehrsstraßen gut ausgebaut. „Die Friedrich-Ebert-Allee, Stedinger Straße, Berliner Straße, Oldenburger, Adelheider und Bremer Straße“, zählt Menzel positive Beispiele auf. „Auf unseren Radtouren bewegen wir uns aber meistens abseits der Hauptstraßen, da fallen uns viele schlechte Radwege auf.“ Das negativste Beispiel sei der bei Radfahrern sogenannte „Trimm dich Pfad“, der Radweg von Neuendeel nach Lemwerder entlang der Stedinger Landstraße.

Ein weiteres Ärgernis im Auge der organisierten Delmenhorster Radler: Von der Umsetzung der im vergangenen Jahr angekündigten zehn Fahrradstraßen, sogenannten grünen Routen, die Pendler abseits der Hauptstraßen schnell durch den Ort führen, sei nach einem Jahr kaum etwas zu spüren. Abgesehen vom neuen Schutzstreifen am Heidkruger Weg sei noch nichts passiert. „Von Deichhorst in die Innenstadt gibt es nur eine Beschilderung, das könnte man noch realisieren“, findet Manfred Menzel, der in diesem Punkt Bremen als großen Vorreiter sieht.

Abstellmöglichkeiten am Schweinemarkt fehlen

Als weiteren wichtigen Baustein zur Unterstützung des Radverkehrs müsse es genug Abstellmöglichkeiten geben. „Vor allem sichere und nicht Felgenbrecher, die das Rad verbiegen. Bei denen kann man auch oft nur das Vorderrad abschließen“, sagt Manfred Menzel. In diesem Punkt sei die Delmenhorster Innenstadt gut aufgestellt, wo man am City-Center, an der Bahnhofstraße oder am Rathausplatz viele stabile Bügel vorfinde. Nur am Schweinemarkt, ergänzt ADFC-Mitglied Karin Schneider, da gebe es zu wenig Abstellmöglichkeiten, um von dieser Seite aus in die Innenstadt zu gehen.

Und mehr Platz fürs Rad bedeute auch, dass sich die Stadt so manche Diskussion über nicht vorhandene Parkplätze für Autos sparen könnte, „wenn man stattdessen schnell und sicher mit dem Fahrrad in die Innenstadt kommen kann“, betont Menzel. Das könnte sich ihm zufolge auch für viele Delmenhorster gesundheitlich auszahlen. Das belegen auch Zahlen der Krankenkasse IKK classic von diesem Jahr. Ihr zufolge sind 35,8 Prozent der Delmenhorster übergewichtig und 18,2 Prozent fettleibig.

Verschenktes Potenzial für Radtourismus

Delmenhorst hätte großes Potenzial, um für Radfahrer ein noch attraktiverer Ausgangspunkt für Ausflüge zu werden. „Allein nach Bremen gibt zehn verschiedene Wege, die man nehmen kann.“ Dazu gebe es zahlreiche attraktive Ziele im Stadtgebiet und in der Umgebung. „Da kann man sehr viel machen. Das Potenzial sollte man mehr nutzen. Wir hören oft bei Touren von Gästen, dass sie an vielen Orten noch nie gewesen sind.“ Zu den fast 300 Delmenhorster Mitgliedern des ADFC kämen zahlreiche Radgruppen der Vereine, die schon jetzt regelmäßig die vorhandene Wege-Infrastruktur in ihrer Freizeit nutzen.

Doch der ADFC ist auch gegen freie Fahrt mit dem Rad. Zumindest, wenn es um die Fußgängerzone geht. „Das Problem betrifft jede Altersschicht und es wird zuwenig kontrolliert“, findet Karin Schneider. Es müsse zur Sicherheit aller mehr abkassiert und nicht nur ermahnt werden, sollte jemand nicht absteigen, wenn er es muss.

Mehr Kontrollen und auch mehr Geldstrafen sollte es nach Ansicht der ADFC-Mitglieder auch an den Delmenhorster Hauptstraßen geben. „Dort ist das Fahren auf der falschen Straßenseite ein großes Problem.“ Kontrollen sorgten für mehr Sicherheit.